Unterkünfte für Obdachlose bei Minusgraden stark nachgefragt

Nachricht 04. Januar 2016
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Schlafplätze für Obdachlose im Winter (Symbolfoto); Bild: epd-bild / Mauricio Bustamante 

Hannover (epd). Mit den Minusgraden verschärft sich auch die Lage der Obdachlosen in den Städten. Die Notunterkünfte in Hannover seien vor allem in der vergangenen Nacht gut nachgefragt gewesen, sagte Stadtsprecherin Konstanze Kalmus am Dienstag dem epd. "Aber ein bisschen Platz haben wir noch." Kalmus zufolge verfügt die niedersächsische Landeshauptstadt über rund 60 Plätze für Männer und etwa zehn für Frauen. Dort können die Menschen im Notfall jeweils eine Nacht schlafen. Die größte Einrichtung in der Wörthstraße mit rund 50 Plätzen sei zuletzt voll belegt gewesen.

Nach Ansicht der Diakonie in Hannover reicht das Angebot noch nicht aus. "Das ganze Jahr hinweg schlafen Menschen auf der Straße, also sind zu wenig Unterkünfte da", sagte Nadine Haandrikman-Lampen, Leiterin der Zentralen Beratungsstelle für Wohnungslose. Die Diakonie habe mit Spendengeldern einen Vorrat an Schlafsäcken angeschafft, um zumindest ein wenig Hilfe zu leisten. Auch die Tagestreffs, die ein wenig Erholung von der Kälte böten, hätten jetzt vermehrt Zulauf.

In Hannover leben laut Haandrikman-Lampen rund 4.000 Menschen auf der Straße. "Das sind Schätzwerte, aber die Zahl der Wohnungslosen ist eindeutig angestiegen." In den vergangenen vier Jahren seien auch immer mehr Migranten aus europäischen Ländern dazugekommen. Sie hätten sich in Deutschland ein besseres Leben erhofft. Jetzt müssten sie ohne Anspruch auf Sozialleistungen zurechtkommen. Die Diakonie verhandle derzeit mit der Stadt, um diesen Menschen gezielt Beratungen anbieten zu können.

Um Wohnungslosen auch nachts etwas Wärme zu bieten, hat auch das hannoversche Verkehrsunternehmen Üstra erneut seine zentrale U-Bahn-Station am Stadtmittelpunkt Kröpcke rund um die Uhr für Obdachlose geöffnet. "Wir machen das seit einigen Jahren, und es wird regelmäßig von etwa zehn Menschen angenommen", sagte Üstra-Sprecher Udo Iwannek. Auch die Stadt appellierte an Wohnungslose, nicht auf der Straße zu nächtigen. Wer hilflose Menschen draußen entdecke, sollte sie auf keinen Fall dort zurücklassen, sagte Sprecherin Kalmus.

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