Busemann ruft zur Versöhnung zwischen Christen und Juden auf

Nachricht 01. Januar 2016
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Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) bei einem Gottesdienst in der Klosterkirche in Loccum im März 2013. Bild: epd-bild / Dethard Hilbig

Hannover (epd). Der niedersächsische Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) hat zur Versöhnung zwischen Christen und Juden aufgerufen. "Kein Volk ist so gehasst und verfolgt worden wie die Juden, bis hin zur apokalyptischen Mordindustrie, mit der die Deutschen sie vernichten wollten", sagte er am Neujahrstag in einer "Bürgerpredigt" in der evangelischen Marktkirche in Hannover. "Trotzdem blüht das jüdische Volk immer wieder auf." Allein in der Stadt Hannover lebten heute rund 6.000 Juden - zu Beginn der Nazi-Herrschaft seien es 5.000 gewesen.

Christentum und Judentum gehörten zusammen, betonte Busemann, der im Oktober mit einer Delegation des Landtags zu Gast in Israel war. "Die christliche Heilslehre wäre ohne ihre jüdische Grundlage überhaupt nicht denkbar." Das Judentum sei nicht dabei nur die historische und kulturelle Wurzel des Christentums, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Glaubens an Jesus, der selbst Jude war. Im Laufe der Geschichte hätten sich die Christen allerdings vom Judentum abgegrenzt, woraus sich über Jahrhunderte antijüdische Anschauungen entwickelt hätten.

Heute betrachteten "wohlmeinende Christen aller Konfessionen" die Juden als "ältere Brüder". Es stehe dem christlichen Glauben nicht entgegen, die Juden weiterhin als auserwähltes Volk Gottes zu betrachten, sagte Busemann. Eine starke Klammer zwischen beiden Formen des Glaubens an den Gott Israels sei das Alte Testament. Der Landtagspräsident wandte sich damit gegen Tendenzen, die Bedeutung des Alten Testamentes für Christen abzuwerten. Darüber hatte es unter Theologen im vergangenen Jahr einen heftigen Streit gegeben.

Die Marktkirche, die größte Kirche in der Landeshauptstadt, lädt immer wieder prominente Nichttheologen zu "Bürgerpredigten" auf ihre Kanzel ein. Zu den "Predigern" gehörte vor anderthalb Jahren auch Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). 

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