Flüchtlinge prägen Weihnachtsbotschaften

Nachricht 23. Dezember 2015
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Heinrich Bedford-Strohm, Bild: Norbert Neetz, epd-bild

Hannover/Bremen (epd). Die Kirchen haben die Aufnahme der großen Zahl von Flüchtlingen ins Zentrum ihrer Weihnachtsbotschaften gestellt. "2015 wird in die Geschichte unseres Landes eingehen als das Jahr, an dem Deutschland über sich hinausgewachsen ist", erklärte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am Mittwoch in München: "Hätte einer am Weihnachtsfest des letzten Jahres vorhergesagt, dass unser Land in diesem Jahr eine Million Flüchtlinge aufnehmen würde, er wäre als realitätsfremder Träumer bezeichnet worden."

Bedford-Strohm kritisierte zugleich die Pläne für eine Einschränkung beim Familiennachzug für syrische Flüchtlinge. "Viele Syrer hier in Deutschland machen sich große Sorgen um ihre Angehörigen zu Hause, die jeden Tag Angst um Leib und Leben haben müssen", sagte der bayrische Landesbischof der in Oldenburg erscheinenden "Nordwest-Zeitung" (Mittwochsausgabe). Die Weihnachtsbotschaft stelle Flüchtlinge besonders in den Mittelpunkt. Dies gebe Hoffnung, dass nicht die Gewalt das letzte Wort habe, sondern das Leben.

Ängste vor einer Islamisierung Deutschlands hält der EKD-Ratsvorsitzende für unbegründet. "Die Angst ist da am größten, wo Menschen keine Muslime kennen", sagte Bedford-Strohm am Mittwoch im "Morgenmagazin" des ZDF. Er rief dazu auf, die "große Kraft des christlichen Glaubens" wahrzunehmen. Dann müsse man angesichts von 50 Millionen Christen in Deutschland keine Angst davor haben, wenn im Zuge der Einreise von Flüchtlingen vielleicht zwei Millionen Muslime neu ins Land kämen. Mit Blick auf die Aufnahme von rund einer Million Flüchtlinge sprach Bedford-Strohm von einer "Revolution der Empathie".

Der EKD-Friedensbeauftragte, der leitende Bremer Theologe Renke Brahms, würdigte den Einsatz vieler Menschen, "die sich ein Herz fassen und einfach anfangen mit ihrem Engagement beispielsweise für Flüchtlinge oder für obdachlose Menschen." Wenn das geschehe, sei schon ein großer Schritt getan - "von dem Kind in der Krippe hin zu echter Weihnachtsfreude", sagte Brahms mit Blick auf das bevorstehende Weihnachtsfest.

Der evangelisch-reformierte Kirchenpräsident Martin Heimbucher sprach sich für eine "Willkommenskultur" für Flüchtlinge an den europäischen Außengrenzen aus. "An unserem Umgang mit den Flüchtlingen wird alle Welt ablesen können, ob wir Europäer den hohen Ansprüchen gerecht werden, die wir für uns selber gern erheben", sagte Heimbucher in Leer. Wenn sich die EU entscheide, Flüchtlinge an ihren Außengrenzen aufzuhalten, müsse dies unter Wahrung der Menschenwürde geschehen. 

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