Diakonie schafft Hilfsangebot für traumatisierte Flüchtlingskinder

Nachricht 07. Dezember 2015
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Symbolfoto. Das Bild (16.11.2013) zeigt eine Kinderzeichnung im Trauma-Center im Nordirak. Bild: Carola Wolf/epd-bild

Osterholz-Scharmbeck (epd). Die Diakonie will in Osterholz-Scharmbeck bei Bremen ein Hilfsangebot für traumatisierte Flüchtlingskinder schaffen. Krieg und Flucht seien außergewöhnliche Belastungen, die bei fast allen Menschen eine tiefe seelische Verletzung hervorriefen, sagte Diakoniechef Norbert Mathy am Dienstag dem epd. Um insbesondere Kindern zu helfen, solle im Januar in der Kreisstadt ein kunsttherapeutisches Gruppenangebot starten, das Erkenntnisse und Methoden der Traumapädagogik einbeziehe.

Das Modellprojekt wollen laut Mathy je zur Hälfte die hannoversche Landeskirche und Lions-Clubs in der Region finanzieren. Das Angebot soll überdies in Zusammenarbeit mit dem Bremer Beratungs- und Behandlungszentrums für Flüchtlinge und Folteropfer "Refugio" aufgebaut werden und zunächst zwei Jahre laufen.

Der Bedarf sei groß, sagte Mathy. "Das wissen wir aus unserer Migrationsberatung und von Flüchtlingsinitiativen, mit denen wir gesprochen haben." Das Gruppenangebot solle deshalb wöchentlich organisiert und durch einen Dolmetscher unterstützt werden.

Je nach Schweregrad der Belastung müssten sich Betroffene in psychotherapeutische Behandlung begeben. In vielen Fällen sei aber schon eine weniger intensive Begleitung hilfreich. "Auch sind traumatisierte Kinder nicht immer therapeutisch zu erreichen - aber fast immer pädagogisch."

Die psychische Belastung ende nicht, wenn Flüchtlinge in ihrem Aufnahmeland angekommen seien. Mathy: "Kinder haben beispielsweise Angst, dass den Angehörigen und Freunden in der Heimat oder auch auf der Flucht etwas geschieht."

Sie erlebten überdies die wirtschaftliche Not der Familie, schwierige Wohnsituationen, die Belastung ihrer Eltern durch einen unsicheren Aufenthalt und würden auch in eine Erwachsenenrolle gedrängt, etwa beim Übersetzen. Vielfach äußerten sie ihre Probleme nicht, weil sie ihre Eltern nicht noch weiter belasten wollten.

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