Muslimischer Zentralratsvorsitzender gegen militärisches Eingreifen in Syrien

Nachricht 03. Dezember 2015
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Aiman A. Mazyek; Bild: yunay

Osnabrück (epd). Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hat die Bundesregierung und den Westen aufgefordert, ohne militärisches Eingreifen für eine Befriedung in Syrien und im Nahen Osten zu sorgen. "Sie müssen die Beteiligten an den Verhandlungstisch zwingen", sagte Mazyek am Donnerstagabend in Osnabrück. Zudem müsse der Zustrom von Waffen an die Terroristen unterbunden und den Menschen dort eine Perspektive geboten werden. Nur dann könne auch die Flüchtlingskrise in Europa gelöst werden.

Der Zentralratsvorsitzende warf Politikern und Wissenschaftlern vor, dass sie noch immer pauschal den Islam für die Anschläge des Islamischen Staates verantwortlich machten. Der Terrorismus sei vielmehr das Ergebnis einer völlig verfehlten Geopolitik des Westens im Nahen Osten, betonte Mazyek während einer von der "Neuen Osnabrücker Zeitung" veranstalteten Podiumsdiskussion: "Wir haben Krieg gesät und der Terror ist gekommen."

Die Terroristen seien Verbrecher und Mörder. Wer den Grund dafür in der Religion suche, mache sich die Interpretation der Fundamentalisten zu eigen. Das schüre Ängste und nähre Vorurteile in der deutschen Bevölkerung. Muslime fühlen sich nach den Worten Mazyeks dann zunehmend als Menschen zweiter Klasse.

Lobend äußerte sich der Zentralratsvorsitzende über die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die sich gegen Obergrenzen wehre und standhaft für eine Willkommenskultur eintrete. "In ein paar Jahren werden Polen und Ungarn uns dafür mit Hochachtung begegnen."

Auch der hannoversche Landesbischof Ralf Meister sprach sich noch einmal deutlich gegen eine militärische Intervention in Syrien aus. Er zeigte sich begeistert vom Engagement der Bevölkerung in der Flüchtlingskrise: "Ich erlebe die Zivilgesellschaft so erwachsen wie noch nie. Sie wartet nicht, dass der Staat etwas vorgibt, sondern packt einfach an."

Meister forderte die Bundesregierung auf, trotz der extremen Anspannung des europäischen Zusammenhalts nicht von ihrer Linie abzuweichen: "Wir müssen weiterhin beispielhaft eine Haltung des Miteinanders leben, auch wenn das Anstrengung und Herausforderung bedeutet, statt Gewinn. Wir können und müssen uns das leisten, um die Wertegemeinschaft Europa aufrecht zu erhalten." 

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