Kloster Loccum enthüllt Gedenktafel für Opfer der Hexenprozesse

Nachricht 02. Dezember 2015
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 Das Kloster Loccum; Bild: Jens Schulze/epd-bild

Loccum/Kr. Nienburg (epd). Mit einer Gedenktafel will das Kloster Loccum bei Nienburg künftig an die Opfer der Hexenprozesse im 16. und 17. Jahrhundert erinnern. Sie soll am Sonnabend (5. Dezember) an der Außenwand der ehemaligen Frauenkapelle im Torhaus angebracht werden. "Wir wollen ein dauerhaftes Andenken für diese Menschen schaffen", sagte Abt Horst Hirschler am Dienstag dem epd. Auf der Tafel sind die Namen der 29 Frauen und Männer zu lesen, die von 1581 bis 1660 als Hexen verurteilt und hingerichtet wurden. Die Kapelle diente damals als Schule und Gerichtssaal und war Schauplatz der Prozesse.

Zugleich wird ein Weg von der Evangelischen Akademie Loccum in den Wald nach Gesche Köllars (um 1620-1660) benannt. "Sie war das letzte Opfer des Hexenwahns im Stiftsbezirk", erläuterte Hirschler. Die Witwe wurde am 2. Juni 1660 enthauptet. Der Weg in den Wald war Hirschler zufolge wahrscheinlich der Weg, auf der sie zur Hinrichtungsstätte gefahren wurde. Eine Emaille-Tafel unter dem Wegweiser soll auf das Schicksal der Frau aufmerksam machen.

Zudem will das Kloster mit einer 40-seitigen Broschüre über die Hexenprozesse in Loccum und über den "Hexenwahn" im Allgemeinen informieren, der vor rund 400 Jahren überall in Deutschland grassierte. "Richter, Kirchenleute, die Leute im Dorf und die Verantwortlichen im Stiftsbezirk waren voll im Hexenwahn", sagte Hirschler. Sie seien damals überzeugt gewesen, dass es Hexen wirklich gebe. "Das war eine ganz massive Angst." Einige Dorfbewohner hätten missliebige Nachbarn deswegen angezeigt, und Gerichte seien dem nachgegangen. "Die Stimmung im Ort war, dass diese Menschen verschwinden müssten."

Im Anschluss an die Enthüllung der Tafel referiert der Rechtsanwalt Peter Beer aus Braunschweig über den "Hexenwahn im Klostergebiet". Der Jurist hatte über die Loccumer Hexenprozesse promoviert und die Namen der Opfer recherchiert. Zudem wird Abt Hirschler über die Entdeckung Prozessakten berichten. Er hatte bereits 1974 als Konventual-Studiendirektor des Predigerseminars im Kloster Loccum mit einem Aufsatz auf die Hexenprozesse aufmerksam gemacht. Kritiker hatten immer wieder eine Rehabilitation der Opfer gefordert.

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