Bündnis erinnert mit zahlreichen Veranstaltungen an Nazi-Opfer

Nachricht 29. Oktober 2015

Göttingen (epd). Mit rund 30 Veranstaltungen in Südniedersachsen erinnert ein Bündnis aus Gewerkschaften, Vereinen, KZ-Gedenkstätten und Jüdischen Gemeinden in den kommenden Wochen an die Opfer des Nationalsozialismus. Geplant sind Führungen, Rundgänge, Vorträge, Filmvorführungen, Konzerte und Diskussionsveranstaltungen, wie das Bündnis am Mittwoch mitteilte.

Als eine der ersten Veranstaltungen der Reihe findet am 9. November eine von der Stadt Göttingen, der örtlichen Jüdischen Gemeinde und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit ausgerichtete Gedenkfeier am Mahnmal für die frühere Göttinger Synagoge statt. Im Anschluss widmet sich der Verein Jüdisches Lehrhaus in einer "Langen Nacht der Erinnerung" dem Gedenken an den ehemaligen hessischen Staatsanwalt Fritz Bauer. Ihm war es Ende der 1950er Jahre gegen große Widerstände der Nazi-Seilschaften in der früheren Bonner Republik gelungen, Verantwortliche des Konzentrationslagers Auschwitz anklagen zu lassen. Am 9. November 1938 hatten die SA und von den Nazis aufgehetzte Bürger in zahlreichen deutschen Städten Synagogen verbrannt und jüdische Geschäfte demoliert.

Ein Rundgang in Göttingen zum Thema "Medizin im Nationalsozialismus" informiert über die Entwicklung der Medizinischen Fakultät in der NS-Zeit, Zwangssterilisationen in der Frauenklinik und die damalige Rolle von Hebammen.  Die KZ-Gedenkstätte Moringen bietet eine Führung zum ehemaligen Frauen-KZ in Moringen an. Dort waren zwischen 1933 und 1938 annähernd 1.400 Frauen inhaftiert, zumeist Zeuginnen Jehovas und Frauen aus der politischen Opposition. Andere Veranstaltungen beschäftigen sich mit dem Widerstand gegen die Nazi-Herrschaft.

Für den 27. Januar - seit 1996 in Deutschland offizieller "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" - ist ein Zeitzeugen-Gespräch mit Bert Woudstra aus dem niederländischen Enschede angekündigt. Er hatte als Jugendlicher die Judenverfolgung der Deutschen überlebt, weil ihn Freunde sowie auch fremde Menschen ihn drei Jahre vor den Besatzern versteckten. Viele von Woudstras Angehörigen wurden in Konzentrationslager verschleppt und dort ermordet.

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