Experte kritisiert hohe Kosten für Embryonen-Gentests

Nachricht 21. September 2015
PID
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Hannover (epd). Der Experte für Präimplantationsdiagnostik (PID), Gisbert Voigt, hat die hohen Kosten dieser Embryonentests kritisiert. Bei Gesamtkosten von bis zu 13.000 Euro würden Paare mit höherem sozialen Status bevorzugt, sagte der Kinderarzt und Vize-Vorsitzende der PID-Kommission Nord der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Dienstagsausgabe): "Im Sinne der Gleichheit muss dies korrigiert werden." Bei PID werden Gentests an künstlich erzeugten Embryonen vorgenommen, wenn ein hohes Risiko für eine schwere Erbkrankheit oder eine Totgeburt besteht.

Die Resonanz auf die seit 2011 offiziell erlaubte Untersuchungsmethode sei entsprechend dürftig. Seit Februar 2014 sind nach Informationen der Zeitung bundesweit nur 46 Anträge auf Genehmigung der Präimplantationsdiagnostik bei den zuständigen Ethikkommissionen eingegangen. Etwa 300 Anträge von Eltern mit genetischer Vorbelastung waren pro Jahr erwartet worden.

Auch die Etablierung von PID-Zentren, die die zeitaufwendige und kostspielige Diagnostik spezifischer Krankheitsbilder durchführen dürfen, kommt nach Ansicht des Experten nur langsam voran. Bis Juni waren deutschlandweit gerade einmal zwei Zentren an den Unikliniken in Lübeck und Hamburg zugelassen.

Bei PID werden befruchtete Eizellen vor dem Einpflanzen in den Mutterleib auf schwere Erbkrankheiten untersucht. Ausgelöst durch ein Urteil des Bundesgerichtshofs hatte der Bundestag 2011 beschlossen, diese Tests in Ausnahmefällen zu erlauben. Danach sind die Gentests an Embryonen bei der künstlichen Befruchtung möglich, wenn aufgrund der Anlagen des Elternpaares ein hohes Risiko für eine schwere Erbkrankheit des Kindes zu befürchten ist oder die Gefahr einer Tot- oder Fehlgeburt besteht.

Als erste nahm die Ethikkommission Nord für die Bundesländer Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Brandenburg Anfang 2014 ihre Arbeit auf. Im März dieses Jahres wurde eine Ethikkommission für Bayern gegründet. Sechs weitere südliche Bundesländer haben im Juli eine Kommission an den Start geschickt.

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