Regionalbischöfin fordert mehr Hilfen für Flüchtlingsbetreuung - Mitarbeiter berichten von Überlastung im Aufnahmelager Bramsche

Nachricht 18. September 2015
Birgit Klostermeier
Dr. Birgit Klostermeier

Bramsche/Kr. Osnabrück (epd). Die Osnabrücker Regionalbischöfin Birgit Klostermeier hat mehr Hilfen für Haupt- und Ehrenamtliche in der Flüchtlingsbetreuung gefordert. Deren Arbeit müsse vonseiten des Landes, der Kommunen und der Kirchen noch stärker unterstützt werden, sagte die evangelische Theologin am Freitag bei einem Besuch des Erstaufnahmelagers Bramsche bei Osnabrück. Vor allem das Personal in der Einrichtung sei angesichts der starken Überbelegung an die Grenze seiner Belastbarkeit gestoßen.

Die evangelische Landeskirche prüfe gegenwärtig, den Kirchenkreisen in diesem und im kommenden Jahr erhebliche Sondermittel für die Flüchtlingshilfe zur Verfügung zu stellen, erläuterte die Landessuperintendentin. Sie appellierte an die Kirchengemeinden, auf Neuankömmlinge in den Dörfern und Städten offen zuzugehen. Sie selbst will sich dafür einsetzen, dass im Erstaufnahmelager Bramsche ein interreligiöser Gebetsraum eingerichtet wird.

Derzeit lebten in der Einrichtung rund 4.500 Flüchtlinge überwiegend aus Syrien. Davon seien mehr als 2.000 noch in zum großen Teil nicht winterfesten Zelten untergebracht, sagte der leitende Sozialarbeiter des Lagers, Andreas Biedendieck. Vorgesehen war das Lager ursprünglich für rund 700 Menschen.

Die Registrierung der Neuankömmlinge dauere derzeit bis zu zehn Wochen, berichtete der Sozialarbeiter. Kranke Säuglinge müssten in Zelten übernachten. Männer verzweifelten, weil ihre Anträge zu langsam bearbeitet würden und sie ihre Familien nicht nachholen könnten: "Da wird man dünnhäutig, vor allem wenn immer wieder von Besserung die Rede ist, aber nichts passiert." Er und seine Kollegen hätten schon über Streik nachgedacht. Immerhin werde die Einrichtung jetzt voraussichtlich für einige Tage keine Neuankömmlinge mehr aufnehmen, "damit wir hier mal wieder Struktur reinbringen können".

Auch in der von der Diakonie Bramsche betriebenen Kleiderkammer staut sich die Arbeit. Derzeit koordiniere eine befristet eingestellte Sozialarbeiterin die Spendeneingänge und die Arbeit von mehr als 70 Ehrenamtlichen, sagte die Leiterin des Diakonischen Werkes, Natalia Gerdes.

Bramsche habe als eines der wenigen Erstaufnahmelager in Deutschland überhaupt noch eine Kleiderkammer. In den meisten übrigen seien sie geschlossen worden, weil die Arbeit sehr mühsam und aufwendig sei, erläuterte Gerdes. Sie wolle diesen Service jedoch auf jeden Fall aufrechterhalten. Kleiderkammern böten Möglichkeiten für ehrenamtliches Engagement und für erste Kontakte zwischen Flüchtlingen und Einheimischen.

Regionalbischöfin Klostermeier betonte, es sei wichtig, die Flüchtlinge möglichst schnell in die Lage zu versetzen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Zudem dürften Wohlfahrtsverbände und Kommunen andere hilfsbedürftige Gruppen wie Wohnungslose, Alleinerziehende oder Geringverdiener nicht aus dem Blick verlieren. Sonst könne aus der positiven Willkommenskultur auch schnell ein Konkurrenzdenken etwa um bezahlbare Wohnungen erwachsen.

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