Der Wiederaufbau des Glaubens endet nie

Nachricht 13. September 2015

Andreasgemeinde feiert den 50. Jahrestag der Neueinweihung des Hildesheimer Wahrzeichens

Gemeinde 3
Vollbesetzte Bänke beim Jubiläumsgottesdienst in St. Andreas. Bild: Wiebke Barth

Hildesheim. Viele Hände gingen in die Höhe, als Landessuperintendent Gorka fragte, wer denn vor 50 Jahren schon beim Gottesdienst dabei gewesen sei. Selbst einige der am Wiederaufbau beteiligten Handwerker waren anwesend. Mit einem großen Festgottesdienst hat die St.-Andreas-Gemeinde den 50. Jahrestag der Wiedereinweihung ihrer im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirche gefeiert.

Landessuperintendent Eckart Gorka erinnerte in der vollbesetzten Kirche daran, dass der Wiederaufbau des Gebäudes zwar längst geschafft sei. Der Wiederaufbau des Glaubens sei jedoch immer wieder die Aufgabe jeder neuen Generation, so Gorka: „Das Haus ist irgendwann fertiggestellt. Der Glaube nie.“

Die Wiedereinweihung vor 50 Jahren stand unter dem Zeichen der Versöhnung der einstigen Weltkriegsgegner. Völker hatten einander die Kirchen zerstört, nun feierten sie wieder zusammen. Damals war eine große Gruppe aus London zu dem Ereignis nach Hildesheim gekommen. Von Versöhnung war nun auch während des Jubiläumsgottesdienstes immer wieder die Rede. Warmen Willkommensapplaus gab es für die Gäste aus Großbritannien, Meriel und Ian Tegner, die schon 1965 zur Abordnung der St.-Helens-Church in London gehörten.

Manche aus der Londoner Gruppe seien damals zum ersten Mal verreist, erzählte Ian Tegner in seinem Grußwort. Sie hätten bei Hildesheimer Familien gewohnt, wo das Lachen die einzige gemeinsame Sprache war: „Und gelacht haben wir.“ Sie hätten entdeckt, wie sehr der gemeinsame Glaube verbinde. Die Kirchen seien damals auf dem Weg der Versöhnung vorangegangen, sagte Landessuperintendent i.R. Walter Meyer-Roscher, damals junger Pastor an der Andreaskirche.

Eckhard Gorka richte seinen Blick auch in die Gegenwart und die Perspektiven. Jungen Menschen sei der Glaube nicht mehr selbstverständlich, sie seien mit der Sprache der Bibel nicht groß geworden, so der Landessuperintendent. Und doch seien auch sie auf der Suche nach Halt, nach einem Ort, „der frei ist von Erlebnisdruck.“ Ein Ort wie St. Andreas. Eine solche Kirche könne man allerdings nicht literarisch kennen lernen, in einem Bildband, so Eckart Gorka. „Man muss schon herkommen. Öfter. Immer wieder.“

Die festliche, von Dankbarkeit und großem Ernst geprägte Stimmung des Gottesdienstes wurde wesentlich mitgestaltet durch den raumfüllenden Gesang der Andreaskantorei, verstärkt durch Solisten, unter Leitung von Bernhard Römer, sowie Organistin Katariina Lukaczewski. Superintendent Helmut Aßmann erinnerte in seiner Begrüßung daran, dass auch heute Millionen von Flüchtlingen unterwegs seien und es allen Grund gebe, das Erbarmen Gottes anzurufen.

Oberbürgermeister Ingo Meyer gratulierte der Gemeinde im Namen der Stadt und erinnerte daran, dass der Andreashügel immer ein bürgerlicher Mittelpunkt Hildesheims gewesen sei. Klaus Bröhenhorst von der Ev.-reformierten Gemeinde überbrachte die Glückwünsche der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen. Den ganzen Nachmittag über gab es dann Gelegenheit, St. Andreas bei Führungen, Workshops und Vorträgen in seinen vielen verschiedenen Facetten kennen zu lernen.

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