Gedenkstätte erweitert Ausstellung über Opfer der NS-Psychiatrie

Nachricht 02. September 2015

Lüneburg (epd). Die Euthanasie-Gedenkstätte für die Opfer der NS-Psychiatrie in Lüneburg erweitert ihre Dauerausstellung. Durch die Erforschung von Gräberfeldern auf dem ehemaligen Anstaltsfriedhofs seien neue Opfergruppen identifiziert worden, teilte die Gedenkstätte am Dienstag mit. Zudem hätten Mitarbeiter in den vergangenen Monaten die Bücher über Aufnahmen und Abgänge der damaligen Heil- und Pflegeanstalt ausgewertet. Dies solle sich künftig auch in der Ausstellung widerspiegeln.

In der "Kinderfachabteilung? Lüneburg der damaligen "Heilanstalt Lüneburg" wurden von 1941 bis zum Kriegsende 300 bis 350 Kinder aus ganz Norddeutschland getötet. Das waren nach Angaben der Gedenkstätte sieben Prozent aller Opfer der Euthanasie an Kindern und Jugendlichen. Insgesamt fielen dem Massenmord der Nationalsozialisten an kranken und behinderten Menschen rund 300.000 Menschen zum Opfer.

"In der neuen Ausstellung sollen insbesondere die Menschen mit ihren Lebensgeschichten und auch die Menschenrechte vorkommen", sagte die Lüneburger Projektleiterin Carola Rudnick. Inzwischen habe die Gedenkstätte Kontakt zu über 130 direkten Angehörigen von Opfern, Tätern, Zuschauern und Mitläufern der NS-Psychiatrie aufgenommen. Auf dieser Basis habe sie bisher mehr als 60 Biografien erarbeitet und Fotos gesichert.

Die ganze Gedenkstätte solle von Grund auf neu ausgerichtet werden, hieß es. Geplant sind auch ein Archiv und Bildungsangebote. Seit Anfang September steht die Einrichtung auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik unter der Leitung eines neuen Trägervereins. Zudem erhielt sie den neuen Namen "Euthanasie-Gedenkstätte Lüneburg". Ihre Besucherzahlen hätten sich verdreifacht.

Die Psychiatrische Klinik Lüneburg setzt sich seit vielen Jahren mit ihrer Geschichte auseinander. Seit 2004 informiert sie in einem früheren Badehaus über die Verbrechen in der damaligen "Heilanstalt Lüneburg" während der NS-Zeit.

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