Polizei ruft vor Neonazi-Aufmarsch in Bad Nenndorf zu friedlichem Protest auf

Nachricht 30. Juli 2015

Hannover/Bad Nenndorf (epd). Vor dem Aufmarsch von Rechtsextremisten in Bad Nenndorf bei Hannover hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) dazu aufgerufen, dass die Proteste friedlich bleiben. An diesem Sonnabend wollen rund 1.000 Menschen nach Veranstalterangaben gegen den sogenannten Trauermarsch der Rechtsextremisten demonstrieren. Dafür habe die GdP viel Verständnis, sagte ihr Landesvorsitzender Dietmar Schilff am Donnerstag in Hannover: "Ich appelliere aber an alle, diesen Protest friedlich durchzuführen."

Auch die Polizisten fänden die Begleitung der Einsätze nicht angenehm, sagte Schilff. Wieder einmal zögen Rechtsradikale durch Bad Nenndorf zum Wincklerbad, um an die Misshandlungen der dort Inhaftierten durch das britische Militär zu erinnern. "Dabei schrecken sie wie gewohnt auch vor Geschichtsverdrehung nicht zurück und wollen damit die Gräueltaten der Nationalsozialisten relativieren."

Die Polizei müsse dennoch aufgrund gerichtlicher Entscheidungen dort präsent sein, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende. "An gewalttätigen Ausbrüchen ist dabei niemandem gelegen, sie verzerren nur das öffentliche Bild dieses wichtigen politischen Protestes."

Das Bündnis "Bad Nenndorf ist bunt" plant eine Reihe von fantasievollen Aktionen, um sich den Rechtsextremisten entgegenzustellen. Dazu gehört ein unfreiwilliger "Spendenlauf" zugunsten der Aussteigerorganisation "Exit". Dabei spenden Unternehmen und Bürger zehn Euro für jede Minute, die sich die Neonazis in der Kurstadt aufhalten.

Kirchen und die jüdische Gemeinde wollen einen ökumenischen Gottesdienst halten. Unter dem Motto "Zu Gast bei Freunden" wollen Parteien und Verbände ein Fest vor der jüdischen Gemeinde feiern. Auch Privat-Partys und geschmückte Straßenzüge sind vorgesehen. Das bürgerliche Bündnis rechnet mit weniger als 200 Teilnehmern bei dem Neonazi-Aufmarsch.