Sohn von Hans Rosenthal mit 57 Jahren bei jüdischen Sportwettkämpfen

Nachricht 28. Juli 2015

Hannover/Berlin (epd). Gert Rosenthal, Sohn des 1987 gestorbenen Quizmasters Hans Rosenthal, tritt mit 57 Jahren noch bei den internationalen jüdischen Sportwettkämpfen in Berlin an. Rosenthal spielt bei den 14. European Maccabi Games in der deutsch-jüdischen Hockey-Nationalmannschaft. Er habe vergeblich nach jüngeren Teammitgliedern gesucht, sagte der in Berlin lebende Rechtsanwalt der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (Dienstagsausgabe). Doch viele deutsche Hockey-Vereine wüssten gar nicht, ob sie Spieler jüdischen Glaubens hätten.

"Es ist natürlich ein positives Zeichen, dass es niemanden interessiert, welchem Glauben man angehört", sagte Rosenthal. Aber deshalb müsse er jetzt eben selbst spielen. Rosenthal spielt seit seiner Kindheit Hockey und trainiert außerdem die deutsch-jüdische Frauen-Nationalmannschaft.

Bundespräsident Joachim Gauck wird die jüdischen Maccabi-Spiele am Dienstagabend auf dem Olympiagelände eröffnen. Bis zum 5. August messen sich dort rund 2.300 jüdische Athleten aus 38 Ländern in 19 sportlichen Disziplinen. Die europäische Maccabiade findet alle vier Jahre in Europa statt. Dazwischen werden die größeren jüdischen Weltspiele ebenfalls alle vier Jahre in Israel ausgetragen.

Der Einzug ins Olympiastadion, wo unter den Nazis 1936 die Olympischen Spiele stattfanden, habe eine besondere Bedeutung, betonte Rosenthal. Das zeige: "Wir sind wieder da, und wir leben gerne hier." Es habe sich vieles verändert: Die deutschen Juden seien stolz darauf, mit der deutschen Fahne ins Stadion zu ziehen. "Und es gehört für uns selbstverständlich dazu, vor den Spielen die Nationalhymne zu singen. Das hätten zu Lebzeiten meines Vaters viele nicht akzeptiert, auch wenn er der Letzte gewesen wäre, der etwas dagegen gehabt hätte."

Die jüdischen Sportler seien alle in einem einzigen Hotel untergebracht. Das sei noch nie bei einer Maccabiade so gewesen, sagte Rosenthal. Es gebe koscheres Essen, einen Schabbat-Gottesdienst und den weltgrößten Kiddusch, den Schabbat-Segen. Zwischen den Sportlern bestehe durchaus eine besondere Verbindung. Dabei spiele sicher auch eine Rolle, "dass wir fast alle einer Minderheit angehören und Erfahrungen mit Antisemitismus gemacht haben".

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