„In der Nähe bleiben und Brücken schlagen“

Nachricht 22. Juni 2015

3. Land-Kirchen-Konferenz der EKD tagte im sächsischen Kohren-Sahlis

Kohren-Sahlis. Mit einem deutlichen Votum für eine kirchliche Präsenz in ländlich-peripheren Regionen ist am Sonnabend im sächsischen Kohren-Sahlis die 3. Land-Kirchen-Konferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu Ende gegangen. Zu der Konferenz waren mehr als 60 Delegierte aus 20 EKD-Landeskirchen in der Kleinstadt südlich von Leipzig zusammengekommen, um unter dem Thema „Kirchenbilder – Lebensräume“ die zukünftigen Perspektiven von „Kirche in der Fläche“ zu diskutieren.

Eröffnet wurde die Konferenz durch die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer. Sie forderte, das Neue dürfe es in der evangelischen Kirche nicht schwer haben. Die Herausforderungen, vor denen Kirche im 21. Jahrhundert stehe, seien als Chance einer sich stetig wandelnden Kirche zu verstehen, in der auch junge Menschen mit ihren Zukunftsvisionen Platz finden müssen für ihr Leben und Arbeiten.

Der Münster Religionssoziologe Detlef Pollack sprach sich dafür aus, dort, wo das Netz der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter ausdünnt, Prioritäten zu setzen und Zentren zu stärken. Es gelte, die Kontaktflächen zu erweitern und Brücken in die Zivilgesellschaft zu schlagen. Menschen suchten Nähe und Gemeinschaft, die Kirche ihnen bieten könne. Jedoch müsse diese zugleich offen sein für individuelle Ansprüche.

Der Schweriner Bischof Andreas von Maltzahn plädierte dafür, sich vom Gedanken einer „Kirche mit anderen“ leiten zu lassen. Er forderte kirchliche Erprobungsregionen für neue Gemeindeformen, die orts- und regionalspezifische Lösungen ermöglichten. Auch solle das Denken in der Kategorie von Mitgliedschaft ersetzt werden durch eine Beteiligung von Menschen, gleich, ob sie Mitglieder der Kirche seien oder nicht.

Die Theologin und Kunstgeschichtlerin Karin Berkemann aus Frankfurt/Main bezeichnete Kirchengebäude als „großes Glück“. Nicht wenige seien gebaute Utopien architektonischen Träumens, die auch heute noch zum Träumen einladen.

Teil der 3. Land-Kirchen-Konferenz war ein umfangreiches Besuchsprogramm in den drei gastgebenden Kirchenbezirken Leipziger Land, Leisnig-Oschatz und Glauchau-Rochlitz. Dabei wurde u. a. das „Café Courage“ in Döbeln besucht, das sich gegen extremistische Tendenzen wendet, die Kirchengemeinde in Regis-Breitingen, die von Ehrenamtlichen geleitet wird und seit Jahren ohne Pfarrerin oder Pfarrer auskommt, sowie das als „Dorf mit Zukunft“ ausgezeichnete Gersdorf, in dem Kommune und Kirchengemeinde seit Jahrzehnten besonders eng miteinander arbeiten.

Die 3. Land-Kirchen-Konferenz der EKD schloss mit der Verabredung, regionale Netzwerke zu gründen. So planen beispielsweise die evangelischen Landeskirchen Badens und Württembergs erste Schritte für eine Land-Kirchen-Konferenz für den süddeutschen Raum.

Die Land-Kirchen-Konferenz ist auf Beschluss des Rates der EKD ins Leben gerufen worden. 2011 fand die 1. Land-Kirchen-Konferenz in Gotha statt, 2013 war sie in Northeim zu Gast. Ziel ist es, innovative Konzeptionen für die evangelische Kirche in ländlich-peripheren Regionen zu entwickeln.

EKD-Pressemitteilung Nr. 111/2015