Kloster Loccum erinnert an Opfer der Hexenprozesse

Nachricht 15. Juni 2015

Loccum/Kr. Nienburg (epd). Das Kloster Loccum bei Nienburg will an die Opfer der Hexenprozesse im 16. und 17. Jahrhundert erinnern. Noch in diesem Sommer soll nach einem Beschluss des Konvents an der Außenwand der Frauenkapelle im Torhaus eine Gedenktafel mit den Namen der 29 Frauen und Männer angebracht werden, die von 1581 bis 1660 als Hexen verurteilt und hingerichtet wurden, sagte Abt Horst Hirschler dem epd am Dienstag. Die Kapelle war damals der Schauplatz der Prozesse.

Zugleich soll ein Weg von der Evangelischen Akademie Loccum in den Wald nach Gesche Köllars benannt werden. Köllars (um 1620-1660) war die letzte Frau, die im Stiftsbezirk Loccum als Hexe verurteilt wurde. Sie wurde am 2. Juni 1660 enthauptet. Eine Emaille-Tafel unter dem Wegweiser soll auf ihr Schicksal aufmerksam machen.

Zudem will das Kloster mit einer Broschüre über die Hexenprozesse in Loccum und über den "Hexenwahn" im Allgemeinen informieren, der vor rund 400 Jahren überall in Deutschland grassierte. "Richter, Kirchenleute, die Leute im Dorf und die Verantwortlichen im Stiftsbezirk waren voll im Hexenwahn", sagte Hirschler. Sie seien damals überzeugt gewesen, dass es Hexen wirklich gebe. Einige Dorfbewohner hätten missliebige Nachbarn deswegen denunziert.

Abt Hirschler hatte bereits 1974 als Konventual-Studiendirektor des Predigerseminars im Kloster Loccum mit einem Aufsatz auf die Hexenprozesse aufmerksam gemacht. In einem Buch zum 850-jährigen Bestehen des Klosters 2013 schreibt er, es habe sich damals um "kollektiv verdrehte Zeiten" gehandelt. "Wenn man die Akten liest, spürt man das Unheimliche, von dem in jenen Jahren der Stiftsbezirk durchwoben war." Kritiker hatten immer wieder eine Rehabilitation der Opfer gefordert.

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