Di Fabio: Reformationsjubiläum erinnert an Wurzeln der Gesellschaft

Nachricht 02. Juni 2015
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Bild: epd-bild/Friedrich Stark

Berlin/Göttingen (epd). Aus Sicht des früheren Verfassungsrichters Udo Di Fabio eröffnet das 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017 die Chance, sich der Wurzeln der westlichen Gesellschaften zu erinnern. Es lohne sich immer wieder, nach diesen Wurzeln zu fragen, damit identitätsprägende Gewissheiten nicht verloren gehen, sagte Di Fabio am Dienstagabend in Berlin bei eine öffentlichen Diskussion des Wissenschaftlichen Beirats für das Reformationsjubiläum.

Di Fabio, der an der Bonner Universität öffentliches Recht lehrt und den Beirat leitet, erklärte mit Blick auf Zuwanderung und religiöse Pluralität, eine Gesellschaft könne große Integrationsleistungen nur bewältigen, wenn sie sich ihrer eigenen Identität bewusst sei,

Der in Göttingen lehrende evangelische Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann sagte, ohne die Reformation wäre die europäische Geschichte anders verlaufen. Sie habe eine "irreversible Pluralisierung der christlichen Religion" gebracht sowie die Teilhabe unterschiedlicher sozialer Gruppen am Geistesleben und der gesellschaftlichen Entwicklung. Er erinnerte daran, dass durch Martin Luthers (1483-1546) Bibelübersetzung die deutsche Sprache in Gottesdienste und Lieder Eingang gefunden und schließlich auch die katholische Kirche erreicht und mitgeprägt habe.

Nach dem Ende der konfessionellen Zeitalter sei es heute die Aufgabe des Staates, die Religionen in freiem Spiel in Beziehung treten zu lassen. Die Bindung an die Kirchen sei nicht mehr selbstverständlich. Die Menschen suchten aber weiterhin nach religiösen Erfahrungen und blieben dafür ansprechbar, sagte Kaufmann.

Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther der Überlieferung nach an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug. In zwei Jahren soll die 500-Jahr-Feier der Reformation ökumenisch und international begangen werden. An den Vorbereitungen beteiligen sich Bund, Länder und Kommunen ebenso wie die Kirchen.

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