Heinrich Schapers schönste Orgel erklingt wieder in St. Nicolai

Nachricht 25. Mai 2015

Festgottesdienst zur Einweihung nach dreijähriger Restaurierung

Schaper-Orgel
Über den Köpfen der Gemeinde erklingt zum Gesang nun wieder die restaurierte Schaper-Orgel in der St.-Nicolai-Kirche. Foto: Barth

Alfeld. Endlich erklingt sie wieder, die Schaper-Orgel in der St.-Nicolai-Kirche. Drei Jahre musste die Kirchengemeinde auf die Begleitung ihrer Orgel verzichten. Umso größer war nun die Freude der Gemeindemitglieder und der Bürgerinnen und Bürger der Stadt, als das Instrument nach umfangreicher Restaurierung wieder eingeweiht wurde. Viele hatten einen Beitrag dazu geleistet, dass sich dieser seit Jahren gehegte Wunsch erfüllte. Während eines Festgottesdienstes zur Orgelweihe konnte die Gemeinde nun den vollen Klang genießen, der die Kirche bis in den letzten Winkel auszufüllen schien.

Während des Gottesdienstes begleitete Organist Hans-Ulrich Funk nicht nur den Gesang von Gemeinde und Kantorei, sondern gab auch mit Orgelstücken aus verschiedenen Jahrhunderten einen Eindruck von der Klangfülle und Vielfalt, die durch die Erneuerung erreicht wurde. Dazu ermöglicht der Umbau der Orgel auch einen neuen, freien Blick auf die Bildtafeln mit Szenen aus dem Leben Christi an der Orgelempore, die frisch restauriert einen lebhaften Kontrast bieten zum hellen Orgelprospekt.

Die 1863 errichtete Orgel des Orgelbauers Heinrich Schaper gilt als die schönste und klangreichste aus seiner Werkstatt. Doch Alter und Schmutz sowie erhebliche Umbauten im 20. Jahrhundert hatten ihrem Klang nicht gut getan. 2009 wurde die Restaurierung beschlossen. Den Auftrag erhielt die Firma Jörg Bente in Helsinghausen. Über den aktuellen Zustand der Orgel urteilte der Fachmann damals, klangliche Logik und Balance seien abhanden gekommen, das Instrument könne musikalisch nicht mehr überzeugen.
Die Orgel wurde komplett zerlegt, vorhandene Originalteile wurden repariert, fehlende Teile neu gefertigt, um möglichst den Originalzustand nach dem Konzept Schapers wieder herzustellen. Darüber hinaus sollte aber die durch Umbauten erreichte Erweiterung der Stimmen bei der Restaurierung erhalten bleiben.

Der Erfolg, so schreibt Hans-Ulrich Funk in einem von der St.-Nicolai-Kirchengemeinde herausgegeben Buch über die Restaurierung, sei ein Zugewinn gegenüber dem Urbild. Die Orgel müsse nun „in Niedersachsen unter die allerersten Orgeln gezählt werden“.

Um all das zu erreichen, brauchte die Gemeinde viel Unterstützung. Die ursprünglich veranschlagten 530000 Euro Umbaukosten erhöhten sich durch unvorhergesehene Schäden auf 625000 Euro. Pastor Christian Diederichs dankte besonders der Stadt Alfeld als Patron der Kirche, die den größten finanziellen Beitrag geleistet hatte, sowie der Landeskirche. Zahlreiche weitere Förderer und private Spender hatten sich beteiligt.

Für die Suche nach Sponsoren hatte sich 2010 eigens der Orgelbauverein gegründet, auch der Förderverein Kirchenmusik sammelte Spenden. „Man sieht, was wir erreichen können, wenn wir es gemeinsam machen“, sagte Pastor Diederichs.

Die eigentliche Orgelweihe nahm Superintendentin Katharina Henking vor. Oberlandeskirchenrat Dr. Klaus Grünwaldt stellte in seiner Predigt eine Verbindung her zwischen dem Heiligen Geist und der Musik. Beide seien unsichtbar, aber trotzdem wirkungsvoll. Orgelmusik entstehe durch Luft, „eben erklungen, schon verflogen“, und „windig und unfassbar“ sei auch der Heilige Geist: „Der Heilige Geist und die Musik sind Partner, sind Verbündete“.

Der Festgottesdienst wurde mitgestaltet von der Kirchenkreiskantorei unter Leitung von Arwed Henking und dem Bläserensemble unter Leitung von Reinhard Großer. Zwischen den anschließenden Grußworten spielte das Flötenensemble unter Leitung von Gudrun Bosman. Nach dem Gottesdienst bestand noch die Möglichkeit, an einer Orgelführung teilzunehmen. Nachmittags konnten Liebhaber der Orgelmusik den Klang des Instruments bei einem Konzert mit Jörg Ehrenfeuchter aus Herzberg genießen.

Wiebke Barth / Kultur und Kommunikation