Pfingstbotschaften aus Nord und Süd

Nachricht 23. Mai 2015

Landessuperintendent Klahr: Pfingsten ist ein Fest für alle Menschen

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Emden (epd). Der Emder Regionalbischof Detlef Klahr hat dazu aufgerufen, mit Freude Pfingsten zu feiern. Das Fest, bei dem Christen traditionell das Kommen des heiligen Geistes feiern, könne "uns den Mut geben, eingefahrene Wege zu verlassen und aus Denk-Käfigen auszubrechen", sagte er im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Bibel beschreibe den Geist Gottes als "Kraft, Dynamik, Liebe und Weisheit". Das Pfingstfest sei ein Geschenk für alle Menschen: "Egal ob gläubig oder nicht."

Zwar sei es bedauerlich, dass viele nicht mehr wüssten, was an diesen Tagen gefeiert wird. Aber der Geist Gottes sei eben nicht so anschaulich darzustellen wie die Krippe an Weihnachten. Dass nur wenige Menschen an diesem Tag zur Kirche gingen, sei nicht so schlimm: "Wenn ich die Bibel ernst nehme und sage, der heilige Geist weht, wo er will, dann weht er eben nicht nur in der Kirche, sondern auch woanders."

Forderungen aus der Wirtschaft, den zweiten Pfingsttag als gesetzlichen Feiertag abzuschaffen, erteilte Klahr eine Absage. "Wir brauchen freie Zeit für uns und unsere Familien."

Pfingsten gilt auch als "Geburtstag der Kirche". Die Bibel schildert, wie 50 Tage nach Jesu Tod und Auferstehung durch das Pfingstwunder eine neue Gemeinschaft der Jünger entstand: "Sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen", heißt es in der Apostelgeschichte. Menschen aus der gesamten damals bekannten Welt meinten, dabei ihre eigene Muttersprache zu hören.

Der Geist Gottes könne die Menschen verändern, sagte Klahr, Landessuperintendent des evangelisch-lutherischen Sprengels Ostfriesland-Ems. Pfingsten sei deshalb ein guter Anlass, Konventionen zu überdenken. Das Fest verbinde Menschen miteinander und überwinde auch die Grenzen der Konfessionen. Deshalb feierten am Pfingstmontag viele evangelische, katholische oder orthodoxe Kirchengemeinden zusammen mit ihren Nachbargemeinden ökumenische Gottesdienste. Das sei gut, denn: "Der Heilige Geist pfeift auf Konfessionen."

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Gottesdienst im Garten mit Landessuperintendent Dr. Klahr

Am Pfingstmontag, den 25. Mai 2015, predigt Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr um 11.00 Uhr in einem Freiluftgottesdienst im Garten in Resterhafe, Ubbo-Voss-Straße 1, Dornum, Ortsteil Schwittersum. Die Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Resterhafe und Dornum laden zu einem Gottesdienst in den von Gemeindegliedern gestalteten und gepflegten Garten „Uns Tuun“ ein.

Hannegreth Grundmann/Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Ostfriesland-Ems

Zu den Kirchengemeinden

Kirche – wozu? Landessuperintendent Eckhard Gorka über Pfingsten

Eckhard Gorka
Landessuperintendent Eckhard Gorka; Foto: Sprengel Hildesheim-Göttingen

Pfingsten feiern wir den Geburtstag der Kirche. Alle Jahre wieder erinnern wir uns daran, wie das war, damals in ihrer Geburtsstunde: Wie aus verzagten Jüngerinnen und Jüngern mutige Zeugen des Glaubens wurden. Wie der Geist Gottes über alle kam und sie sich alle verstehen und verständigen konnten. Nicht nur die Christen. Pfingsten - ein Fest der Be-Geisterung.

Inzwischen ist die Kirche eine alte Dame geworden. Vielleicht hier und da auch schon ein wenig verknöchert. Mit einer behördlichen Verwaltung, kirchlichen Gesetzen und Ordnungen. Nicht mehr besonders attraktiv für manche. Wozu braucht man eine solche Einrichtung überhaupt? Glauben kann man im Zweifelsfalle doch auch ohne sie. Sagen auch manche Fromme. Wer lässt sich in heutigen Zeiten noch gerne vorschreiben, was und wie er zu glauben hat? Und dann kostet das Ganze auch noch…

Was hilft uns da die Erinnerung an den ersten Geburtstag der Kirche vor 2000 Jahren? Bringt sie uns mehr als ein paar nostalgische Gefühle nach dem Motto „früher war immer alles besser“: Mehr Begeisterung, mehr Lebendigkeit, mehr Glauben? Erzählt doch die Bibel auch davon, wie die Christen dann nach Pfingsten alles miteinander geteilt haben: Das Gebet, das Brot und das Geld. Gute alte Zeit, aber leider vergangen!? Und zugleich irgendwie utopisch.

In der Erinnerung an den ersten Geburtstag der Kirche steckt mehr als nur der verklärende Blick zurück. Sie enthält auch einen Überschuss an Zukunft: So ist sie gemeint, die Kirche. Das war der Anfang und der große Traum: Dass die Begeisterung, die Gott schafft, mutige Menschen macht. Dass Verstehen möglich wird, über die Barrieren der Sprache und der Kulturen hinweg. Dass Brücken geschlagen und aus Fremden Freunde werden.

Oft ist etwas von diesem Ursprungsgeist auch in der alt gewordenen Kirche zu finden. Ich spüre ihn, wenn Gott gelobt wird - mit alten und neuen Liedern und Tönen, die einen mitnehmen. Wenn Brücken geschlagen werden zwischen Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Arm und reich, deutsch und ausländisch, immer schon hier heimisch und auf der Flucht.

Die Erinnerung an den ersten Geburtstag der Kirche weckt Hoffnungen. Dazu wurde sie aufgeschrieben. Kirche ist dazu da, diese Erinnerung mit ihrem Glauben und ihren Hoffnungen wach zu halten. Die alten Geschichten bauen bis heute mit an einer lebendigen Kirche.
Den Pfingstgeist kann man nicht auf Flaschen ziehen. Aber wir wünschen uns mit den Christen aller Jahrhunderte: "Komm, Heiliger Geist!" Komm in unsere Gemeinden und unsere Gottesdienste. Komm in diese Welt, die nichts so sehr braucht wie Verstehen über Grenzen hinweg. Überwinde unseren Kleinglauben und die manchmal drohende Hoffnungslosigkeit. Komm Heiliger Geist und erneure die ganze Schöpfung - auch durch uns.

Gesegnete Pfingsten!

Eckhard Gorka
Landessuperintendent Sprengel Hildesheim-Göttingen