"Luft nach oben" weht aus der Hannoverschen Landeskirche

Nachricht 17. Mai 2015

Lothar Veit hat das Mottolied für den Deutschen Evangelischen Posaunentag 2016 geschrieben

Liedermacher_LotharVeit
Gitarre und Stift sind seine Werkzeuge: Liedermacher Lothar Veit. Foto: Jan Fuhrhop

Hildesheim/Dresden. Bläserinnen und Bläser aus ganz Deutschland kommen im Juni 2016 beim Deutschen Evangelischen Posaunentag in Dresden zusammen. Unter dem Motto „Luft nach oben“ ist es das größte BläserInnentreffen weltweit. Rund 20.000 Menschen werden nicht nur gemeinsam spielen, sondern auch singen. Und die Textvorlage für das offizielle Mottolied des Posaunentags kommt aus Hildesheim. Der Liedermacher Lothar Veit hat sie geschrieben.

In Hildesheim kennt man Lothar Veit in erster Linie als genau beobachtenden und stilsicheren Redakteur der Wochenzeitung Kehrwieder am Sonntag. Doch lange bevor er Journalist geworden ist, hat der gebürtige Peiner schon in Kirchenbands gespielt und eigene Lieder geschrieben. Seit vielen Jahren textet er Songs für die Evangelischen Kirchentage, 2012 hat er seine Debüt-CD „Widerworte“ veröffentlicht, sein Liederbuch im Strube-Verlag trägt den selben Titel.

Im 2500-Einwohner-Ort Gadenstedt zwischen Hildesheim und Braunschweig ist Lothar Veit aufgewachsen, dort hat er sich früh in der evangelischen Jugendarbeit engagiert. Als der Pastor eine Band gründete, stieg er als Sänger und Gitarrist ein. Daneben häuften sich immer mehr Ehrenämter an: im Gemeindevorstand und im Kirchenkreistag, als Vorsitzender der evangelischen Landesjugendkammer, in Gremien des Kirchentags, als Jugenddelegierter in der EKD-Synode – um nur einige zu nennen.

Das alles führte er auch noch neben seinem Studium der Germanistik, Linguistik und Politikwissenschaft weiter. Doch mit dem Beginn eines journalistischen Volontariats in Magdeburg machte er einen Schnitt und gab sämtliche Ehrenämter ab. Nur seinen zwei liebsten Freizeitbeschäftigungen ist er bis heute treu geblieben: dem Tischtennis bei seinem Heimatverein SV Anker 06 Gadenstedt. Und dem Liederschreiben.

Seit 20 Jahren ist er Mitglied der losen TexterInnen- und KomponistInnengruppe „Takt“, die sich einmal im Jahr trifft, um eine Woche lang an Texten und Tönen zu feilen. Hier ist ein Großteil von Lothar Veits Stücke entstanden. 2004 wurde er erstmals zu den Liederwerkstätten für den Deutschen Evangelischen Kirchentag eingeladen – seither hat er zu fast jedem Kirchentagsliederbuch einen Beitrag geliefert. Gesungen haben seine Lieder in den zurückliegenden Jahren immer nur andere – bis er sich im vorigen Jahr endlich aufmachte, um mit Band auf Tour zu gehen und die Songs so zu spielen, wie sie in seinem eigenen Kopf klingen.

Er brauche Zeit und Ruhe, um seine Lieder zu schreiben, erzählt der 41-Jährige: „Ich kann nicht von der Arbeit nach Hause kommen und nach Feierabend noch einen Text schreiben.“ Zumal er großen Wert darauf legt, nicht in die Klischee-Falle zu tappen und mit den typischen Floskeln zu arbeiten, die man in neueren Kirchenliedern immer wieder findet. Alltagsthemen, Umwelt, Gewalt und Rassismus, Glaube und auch Zweifel spiegeln sich in seinen Liedern wieder. „Gott gab dem Menschen Verstand. Den soll er bitte gebrauchen – und nicht Gott die Schuld geben“, sagt Lothar Veit.

Diese Überzeugung prägt auch seinen Motto-Song für den Evangelischen Posaunentag, zu dem der rheinische Kantor Martin Bambauer die Musik komponiert hat. „Mit unserm Atem loben wir / dich, Gott, ein Leben lang. / Doch manchmal schleicht ein falscher Ton / sich in den Gottesklang. / Wer übertönt das Lob mit Zorn? / Und wer stößt noch ins gleiche Horn?“, heißt es da zum Beispiel. Die beiden Schlusszeilen von „Luft nach oben“ wirken wie die Zwischenbilanz seines Schaffens als Liedermacher: „Wir müssen ausposaunen, worüber wir so staunen.“
 

Ralf Neite / Kultur und Kommunikation