Gedenkgottesdienst zum 100. Jahrestag des Genozids an den Armeniern, Aramäern und Pontosgriechen

Nachricht 21. April 2015

Unter dem Psalmwort 55,18 „Erhört mein Klagen“ lädt Landessuperintendentin Dr. Ingrid Spieckermann zum Gedenkgottesdienst anlässlich des Völkermordes an den Armeniern, Aramäern und Pontosgriechen vor 100 Jahren in die Neustädter Hof- und Stadtkirche, Rote Reihe 8, 30169 Hannover. Der Gottesdienst beginnt am 24. April 2015 um 17.00 Uhr und wird vom Evangelisch-lutherischen Sprengel und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Hannover (ACKH) zusammen mit der Deutsch-Armenischen Gesellschaft, der Armenischen Gemeinde zu Niedersachsen e.V., dem Armenischen Jugendausschuss Niedersachsen und der Kulturgesellschaft Nairi e.V. gestaltet.

Auf den Tag genau vor 100 Jahren begann der Völkermord mit der Verhaftung und Deportation der armenischen Elite in Konstantinopel. In den folgenden Monaten wurden Armenier und andere christliche Minderheiten wie die Aramäer und Pontosgriechen in Sammellagern zusammengefasst und auf Märsche durch die syrische Wüste geschickt. Ohne Nahrung und Wasser überlebten nur die wenigsten diese Todesmärsche. Überlebende wurden später ermordet. Ihre Zahl kann nur geschätzt werden: 1 bis 1,5 Millionen Menschen sollen ihr Leben verloren haben. Es ist der erste systematische Völkermord in Europa. Ziel war es, Armenier aus den Siedlungsgebieten in der heutigen Türkei zu vertreiben und eine ethnisch und religiös homogene Türkei zu schaffen. Dies alles fand unter Beobachtung von deutschen Militärberatern und -beobachtern statt. Das deutsche Kaiserreich, Verbündeter des Osmanischen Reiches, unternahm nichts, um den Völkermord zu verhindern.

In Deutschland wurde bis heute von politischer Seite der Begriff Völkermord vermieden. „Es ist zu hoffen, dass er nun anlässlich der Beratung des Bundestags am 24. April 2015 Verwendung findet", so Landessuperintendentin Dr. Ingrid Spieckermann. Der Deutsche Bundestag verabschiedete allerdings schon im Juni 2005 eine viel beachtete Resolution zum Thema. Sie gilt vielfach als eine Genozid-Resolution - ohne den Begriff Genozid.

„Wir wollen mit dem Gedenkgottesdienst das Schicksal der Armenier, Aramäer und Pontosgriechen, an dem das Deutsche Reich auch selber beteiligt war, öffentlich machen, Trauer und Entsetzen vor Gott bringen und zur Versöhnung einladen“, so Landessuperintendentin Spieckermann. „Aus unserer eigenen deutschen Geschichte wissen wir, dass es nicht hilft, wegzuschauen. Es ist eine Tatsache, dass bis zu 1,5 Millionen Menschen vor 100 Jahren gewaltsam ihr Leben verloren haben, und es ist unerträglich, dass die betroffenen Bevölkerungsgruppen bis heute um Gehör und Anerkennung kämpfen sowie ihr Schicksal immer wieder aufs Neue beschreiben müssen. So durchleben sie immer und immer wieder die Greueltaten von vor hundert Jahren. Wir wollen mit unserem Gedenkgottesdienst einen notwendigen Schritt zur Versöhnung gehen und Menschen ermuntern, dies mit uns gemeinsam zu tun.“

Im Anschluss an den Gottesdienst ist geplant, auf dem Platz der Neustädter Hof- und Stadtkirche die Jahreszahl 1915 mit Menschen und Kerzen zu stellen und eine Schweigeminute abzuhalten.


Stefan Heinze
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
im Ev.-luth. Sprengel Hannover