Heiligenstadt: Besonders junge Generation muss an NS-Verbrechen erinnern

Nachricht 10. April 2015

Moringen/Kr. Northeim (epd). Die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) hat in der KZ-Gedenkstätte Moringen bei Göttingen der Befreiung des Jugend-Konzentrationslagers vor 70 Jahren gedacht. Besonders die jüngeren Generationen seien in der Verantwortung, an die Opfer und Gräuel der NS-Verbrechen zu erinnern, sagte die Politikerin bei einer Gedenkfeier am Sonnabend: "Sie tragen die Verantwortung dafür zu sorgen, dass dieses nie wieder geschieht."

Die intensive Auseinandersetzung mit den Ereignissen dieser Zeit schärfe den Blick für heutige individuelle und gesellschaftliche Zustände und Tendenzen, sagte Heiligenstadt laut Manuskript. Die Erinnerung an die Verbrechen der NS-Zeit dürfe dabei nicht nur in Gedenkritualen an zentralen Mahnmalen stattfinden. "Erst die aktive Erinnerung leistet einen Beitrag zur Stärkung von Demokratie und Frieden."

In der Kleinstadt bei Göttingen hatten die Nationalsozialisten 1933 eines der ersten Konzentrationslager Deutschlands errichtet. Bis 1938 wurden dort Frauen inhaftiert, darunter Angehörige des politischen Widerstands oder sogenannte Asoziale. Im Jahr wurde 1940 entstand dort das sogenannte "Jugendschutzlager" für männliche Jugendliche. Die mehr als 1.000 Gefangenen im Alter von 13 bis 22 Jahren waren Willkür, Hunger und drakonischen "Erziehungsmethoden" ausgesetzt.

Viele von ihnen starben, wurden zwangssterilisiert oder in andere Konzentrationslager deportiert. Unter Leitung des NS-Arztes Robert Ritter versuchten sogenannte Kriminalbiologen, ihre These, dass Kriminalität und "Asozialität" erblich bedingt seien, mit Untersuchungen an den Moringer Häftlingen zu belegen.

Am 6. April 1945 wurden Hunderte Moringer Häftlinge von der SS auf einen Evakuierungsmarsch in Richtung Harz getrieben. Als die Bewacher vier Tage später flüchteten, konnten sich die in einer Scheune eingeschlossenen Jugendlichen selbst befreien. Die in Moringen verbliebenen Häftlinge wurden am 9. April befreit, als US-amerikanische Soldaten die Stadt erreichten.

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