Kommunen und Kirchen in Niedersachsen werben für mehr Akzeptanz von Migranten

Nachricht 06. April 2015

Hildesheim/Osnabrück/Winsen (epd). Nach dem Brandanschlag auf das Asylbewerberheim in Tröglitz (Sachsen-Anhalt) werben niedersächsische Kommunen, Initiativen und Kirchenvertreter für mehr Akzeptanz von Migranten. "Die Gesellschaft profitiert von Zuwanderung, sie braucht Zuwanderung", sagte am Dienstag der Geschäftsführer des niedersächsischen Flüchtlingsrates, Kai Weber, in Hildesheim. "Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass die damit verbundenen Prozesse und Konflikte konstruktiv in der Gesellschaft bearbeitet werden können."

In Niedersachsen habe eine klare Politik dazu beigetragen, ein vertrauensvolles Klima zu schaffen, betonte Weber. Die Positionierung des Landes für Zuwanderung habe gemeinsam mit den Bemühungen verschiedenster Organisationen vielerorts die Akzeptanz stark gefördert. "Beispielsweise in Osterode, wo ein neues Erstaufnahmelager für Flüchtlinge entstehen soll, steht die Bevölkerung klar hinter der Entscheidung." Diskussionen würden dort eher über den Betreiber als über die Einrichtung selbst geführt.

Der Sprecher des Landkreises Osnabrück, Henning Müller Detert, forderte ein offensives Werben für Migration und Zuwanderung: "Wir können politisch keine Willkommenskultur verordnen, aber wir können daran arbeiten, dass sie in einem breiten Netzwerk wächst." Der Landkreis war im vergangenen Jahr vom niedersächsischen Sozialministerium als Willkommensbehörde ausgezeichnet worden. Dort werden die Situation und Bedarfe von Zuwanderern möglichst exakt festgestellt und rasch für passgenaue Unterstützung gesorgt.

Für niedrigschwellige Angebote zur gegenseitigen Kontaktaufnahme warb der Winsener evangelische Superintendent Christian Berndt. "Das muss nichts Besonderes sein, dennoch ist es für die Akzeptanz entscheidend." In Winsen hatte der Kirchenkreis als Vorreiter ein "Café International" eingerichtet. Inzwischen treffen sich dort Berndt zufolge wöchentlich Ortsansässige und Migranten: "Wir erreichen damit sicher nicht alle, aber doch viele Menschen. Wenn schlimme Dinge passieren, dann eher dort, wo gar kein Kontakt oder Kennenlernen möglich ist."

Im sachsen-anhaltinischen Tröglitz war in der Nacht zu Sonnabend ein Gebäude in Brand gesteckt worden, in dem 40 Asylbewerber Unterkunft finden sollten. Der Dachstuhl wurde dabei komplett zerstört. Das Haus ist nun unbewohnbar. Tröglitz hatte bereits für Schlagzeilen gesorgt, nachdem der Ortsbürgermeister Markus Nierth wegen Anfeindungen von Rechtsextremen zurückgetreten war.

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