Landesbischof: Gebete auch für Copiloten der Germanwings-Maschine

Nachricht 03. April 2015

Hannover (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat dazu aufgerufen, den Copiloten der abgestürzten Germanwings-Maschine nicht zu verdammen. "Auch dieser Mann, der eine unfassbare Entscheidung getroffen hat, gehört in unsere Gebete", sagte Meister in einem Interview der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" (Sonnabendsausgabe). Auf ihm müsse eine schreckliche Last gelegen haben, um so zu handeln.

Vermutlich habe sich der Mann furchtbar verlassen gefühlt, unterstrich der evangelische Theologe. Das müsse bei allem Mitgefühl für die anderen Opfer und Hinterbliebenen auch gesagt werden. "Ich weiß nicht, ob er ein gläubiger Mann war - aber Gott wird auch zu ihm das Band nicht abreißen lassen."

Bereits am Freitag hatte sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, an die Familie des Copiloten gewandt. "Auch sie verdient unser Mitgefühl", sagte Bedford-Strohm dem ZDF-Nachrichtenportal "heute.de".

Er könne sich vorstellen, wie schwer die Situation sein müsse, in der ein so gewichtiger Vorwurf einen Menschen treffe, den man liebhabe, betonte der Theologe. "Dass er ein Geschöpf Gottes ist und dass er die Menschenwürde nicht verliert, die jedem Geschöpf Gottes zugesprochen ist, daran kann für mich kein Zweifel bestehen."

Der Airbus A320 der Gesellschaft Germanwings war am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen abgestürzt. Alle 150 Menschen an Bord kamen ums Leben. Der Absturz wurde den Ermittlungen zufolge absichtlich durch den Copiloten herbeigeführt.

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen