NS-Kriegsgefangenenlager Sandbostel vor 70 Jahren befreit

Nachricht 25. März 2015

Sandbostel/Kr. Rotenburg (epd). Mit Zeitzeugen aus Belgien, Polen, Irland und Italien will die Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen NS-Kriegsgefangenenlagers im niedersächsischen Sandbostel an den 70. Jahrestag der Befreiung erinnern. "In Sandbostel haben britische Soldaten am 29. April 1945 etwa 14.000 Kriegsgefangene und 7.000 KZ-Häftlinge befreit", sagte Gedenkstätten-Leiter Andreas Ehresmann am Donnerstag. Angesichts der Zustände hätten sie das Lager mit den Worten "like a minor belsen - wie ein kleines Belsen" beschrieben.

Hunderte unbestatteter Leichen hätten auf dem Areal gelegen. Die Überlebenden seien erschöpft über das Gelände geirrt oder hätten apathisch in den Baracken gekauert, sagte Ehresmann. "Trotz verzweifelter Bemühungen des internationalen Widerstandskomitees der Kriegsgefangenen, den KZ-Häftlingen zu helfen, starben Tausende an Krankheiten, Erschöpfung und unmittelbarer Gewalt durch die Wachmannschaften."

Auch nach der Befreiung starben noch mehr als 500 KZ-Häftlinge an Erschöpfung und Infektionskrankheiten. Bis zur Befreiung durchliefen nach bisherigen Recherchen 313.000 Kriegsgefangene, Zivil- und Militärinternierte aus mehr als 55 Nationen das Lager im heutigen Landkreis Rotenburg. Nachgewiesen ist, dass 5.162 Kriegsgefangene starben. Überdies kamen etwa 3.000 KZ-Häftlinge ums Leben - sie waren völlig abgemagert und entkräftet aus dem KZ Neuengamme bei Hamburg und seinen Außenlagern nach Sandbostel gebracht worden. Wahrscheinlich ist die Zahl aller Toten wesentlich höher, doch seriöse Hinweise fehlen noch.

Schon ab dem 1. April soll in der Gedenkstätte mit einer Fotoausstellung auf das Schicksal einiger Überlebender aufmerksam gemacht werden. Sie zeigt acht Porträts der Berliner Fotografin Sarah Mayr, die bis zum 9. Mai im Foyer zu sehen sind. Zum Jahrestag der Befreiung am 29. April sollen unter anderem Kränze auf dem Lagerfriedhof niedergelegt werden. In einer Gedenkrede kommt ein ehemaliger Kriegsgefangener zu Wort. Zum Abschluss ist ein Gedenkgottesdienst in der Lagerkirche geplant.

Nach der Befreiung errichteten die Briten in Sandbostel ein Internierungslager für Angehörige der Waffen-SS. 1948 übernahm das niedersächsische Justizministerium den Standort als Strafgefängnis, später wurde er als Notaufnahmelager für männliche jugendliche DDR-Flüchtlinge und als Bundeswehrdepot genutzt. 1973 übernahm die Gemeinde Sandbostel das Gelände und wies es als Gewerbegebiet "Immenhain" aus. Später erwarb die Stiftung Lager Sandbostel einen Teil des ehemaligen Lagergeländes und richtete dort eine Gedenkstätte mit historischen Baracken und einer Dauerausstellung ein.

Öffnungszeiten der Gedenkstätte Sandbostel: Ganzjährig montags bis freitags zwischen 9 und 16 Uhr sowie am Sonntag und an allen Sonn- und Feiertagen von 10 bis 17 Uhr. An jedem zweiten und vierten Sonntag im Monat werden um 13 Uhr und um 16 Uhr Rundgänge angeboten.

Die Gedenkstätte organisiert Gruppenführungen sowie Studien- und Projekttage für Erwachsenen- und Jugendgruppen (Anmeldung unter Telefon 04764/2254810 und E-Mail besucherbetreuung@stiftung-lager-sandbostel.de).