Evangelischer Friedensbeauftragter Brahms kritisiert WM-Vergabe an Katar

Nachricht 14. März 2015

epd-Gespräch: Dieter Sell

Bremen (epd). Der kirchliche Friedensbeauftragte Renke Brahms schließt sich der Kritik an der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar an. "Das Land hätte niemals den Zuschlag bekommen dürfen", sagte der Beauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) dem epd. Mit Blick auf Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe und katastrophale Arbeitsbedingungen bei den WM-Vorbereitungen in dem arabischen Emirat betonte der leitende Bremer Theologe: "Sport und Menschenrechte werde hier auf dem Altar des schnöden Mammons geopfert."

Am 19. und 20. März will das Fifa-Exekutivkomitee in Zürich zusammenkommen, um endgültig die Frage zu klären, wann 2022 in Katar die Fußball-WM ausgespielt werden soll. Im Gespräch ist, das Turnier vom Sommer in den Winter und damit in die Vorweihnachtszeit zu verlegen, weil die große Hitze in den traditionellen WM-Monaten Juni und Juli einen Wettbewerb in dem Wüstenstaat unmöglich macht. Er kritisiere auch die Verlegung in die Adventszeit, sagte Brahms: "Wichtiger ist mir aber der grundsätzliche Blick auf die Menschenrechtssituation in Katar."

Brahms erinnerte an Informationen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, die von weitreichenden Menschenrechtsverletzungen in Katar spricht. Demnach ist unter anderem das Recht auf freie Meinungsäußerung eingeschränkt, Frauen werden diskriminiert. Überdies seien bereits viele Wanderarbeiter beim Bau der Stadien ums Leben gekommen, mahnte Brahms. Für ihn ist deshalb klar: "Die Spiele müssen nicht in den Winter, sondern in ein anderes Land verlegt werden."

"Die Arbeiter müssen in ihren Unterkünften auf wenigen Quadratmetern hausen und bekommen wenig Geld für ihre Arbeit - einen Hungerlohn im Vergleich zum Reichtum des Emirats." Durch den Druck der Öffentlichkeit mögen sich die Arbeitsbedingungen zwar verbessert haben. "Aber sie sind immer noch schlecht. Das ist für mich nichts anderes als eine Form der modernen Sklaverei", sagte Brahms.

Der Friedensbeauftragte kritisiert zudem deutsche Waffenlieferungen in das Land, in dem Menschenrechte verletzt werden und das auch im Verdacht steht, Islamisten im Irak und in Syrien zu unterstützen. Katar habe 2013 zu den Hauptempfängerländern gehört, was Einzelgenehmigungen der Bundesregierung für die Ausfuhr von Rüstungsgütern angehe.

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