Kirche begleitet Exhumierungen mutmaßlicher Mordopfer

Nachricht 22. Februar 2015

epd-Gespräch: Jörg Nielsen

Delmenhorst/Oldenburg (epd). Im Fall früheren Delmenhorster Krankenpflegers Niels H. will die Staatsanwaltschaft mutmaßlicher Mordopfer exhumieren lassen. Für die Angehörigen der Verstorbenen sei dies eine große Belastung, sagte der Delmenhorster Kreispfarrer Bertram Althausen im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Sie sind verunsichert und verängstigt", sagte der evangelische Pfarrer. Zwei Pastoren und eine Pastorin wollten den Betroffenen Beistand leisten.

Niels H. muss sich derzeit vor dem Oldenburger Landgericht für drei Morde und zwei Mordversuche im Krankenhaus Delmenhorst verantworten. Während des Prozesses hatte er rund 90 weitere Taten zugegeben, bei denen 30 Patienten starben. Nun sollen ab März die ersten acht Leichen wieder aus den Gräbern geholt werden, um Beweise zu sichern. Die Staatsanwaltschaft habe die Angehörigen bereits informiert und auf das seelsorgerliche Angebot aufmerksam gemacht, sagte Althausen. Insgesamt wird in rund 200 Fällen ermittelt.

In den Gesprächen mit den Seelsorgern gehe es um existenzielle Fragen nach dem Lebenssinn und dem Glauben. "Darauf haben wir keine fertige Antworten. Aber wir bleiben bei den Trauernden und halten die seelische Not mit ihnen aus", sagte der Theologe. Oft hülfen gemeinsames Schweigen oder Rituale. So könne mit dem Sprechen von Gebeten oder Bibelversen wie dem "Vater Unser" oder dem Psalm 23 (Der Herr ist mein Hirte) das persönliche Leid vor Gott gebracht werden, unterstrich Althausen.

Auch die Mitarbeitenden auf den Friedhöfen und deren Träger seien bereits informiert. Für die Menschen, die die Gräber wieder öffnen müssen, stünden die Pastorinnen und Pastoren der Ortsgemeinden zu Gespräche bereit. "Dies ist eine sehr belastende Aufgabe, die nicht zu den üblichen Aufgaben von Friedhofsmitarbeitern gehört." Althausen lobte die Verantwortlichen bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft. "Sie gehen sehr verantwortlich und sensibel mit diesem schwierigen Thema um."

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