1.000 Bremerhavener demonstrieren für eine weltoffene Stadt

Nachricht 16. Februar 2015

Superintendentin: Flüchtlinge aufnehmen ist Gottesdienst

Bremerhaven (epd). Rund 1.000 Menschen haben nach Schätzungen der Polizei am Montagabend vor der Großen Kirche in Bremerhaven für Weltoffenheit und Toleranz demonstriert. Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) sagte zu den Teilnehmern, die Kundgebung sei ein Zeichen dafür, dass Bremerhaven als international tätige Hafenstadt offen für alles Fremde sei.

Ein Bündnis von fast 80 Vertretern aus Politik, Gewerkschaften sowie Kirchen, Vereinen und Verbänden hatte zu der Versammlung aufgerufen. Hintergrund waren die "Pegida"-Demonstrationen gegen eine vermeintliche "Islamisierung des Abendlandes" der vergangenen Wochen an unterschiedlichen Orten in Deutschland.

Grantz setzte sich für ein Einwanderungsgesetz ein und fügte hinzu, Deutschland brauche Zuwanderung, um beispielsweise Fachkräfte zu gewinnen und die Sozialsysteme abzusichern. "Kommunikation und Austausch ist wichtig, nicht Ausgrenzung", betonte der Oberbürgermeister. Der evangelische Pastor Dirk Scheider, Seelsorger an der Großen Kirche in Bremerhaven, betonte, Toleranz sei "die Münze, mit der man bezahlen muss, wenn man in einer offenen Gesellschaft lebt".

Die Bremerhavener Superintendentin Susanne Wendorf-von Blumröder machte sich im Verlauf der Kundgebung für Flüchtlinge stark. Für Christen sei es Gottesdienst, Flüchtlinge aufzunehmen. Wichtig sei aber auch das Gespräch mit den Menschen, die den Kontakt zur Politik verloren und Ängste hätten: "Das können anstrengende Diskussionen werden, aber wenn jede und jeder von uns sich zur Verfügung stellt, dann können wir das schaffen." Die leitende evangelische Theologin wünschte sich ein Netz der Diskussionsrunden - "und eine klare Absage an Gewalt: Selig sind, die Frieden stiften!"

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