Landesbischof: "Lampedusa entscheidet über Humanität in Europa"

Nachricht 11. Februar 2015

Hannover/Berlin (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat angesichts der jüngsten Flüchtlingstragödie im Mittelmeer an die Verantwortung der Europäer für die Aufnahme von Flüchtlingen appelliert. "Lampedusa entscheidet über die Humanität in Europa", sagte der evangelische Theologe am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Hannover. Doch zunächst sei ihm wichtig, um die vermutlich 300 Toten vor der italienischen Küste zu trauern und an die Angehörigen der Opfer zu denken.

"Wir dürfen uns nicht an den Grundkonflikt einer globalen Ungerechtigkeit gewöhnen", betonte Meister. Die Menschen in den südlichen Ländern würden aufgrund der Armut sowie der politischen und medizinischen Verhältnisse geradezu zur Auswanderung getrieben. "Die reichen Staaten müssen sich für eine erfolgreiche Entwicklungspolitik und eine gerechte Weltwirtschaftsordnung einsetzen."

Er könne nach wie vor nicht verstehen, dass die Operation "Mare Nostrum" der italienischen Marine und Küstenwache zur Seenotrettung von Flüchtlingen eingestellt worden sei, fügte der Bischof hinzu. Sie habe wenigstens einige Not lindern können. Italien hatte 2013 für ein Jahr als einziges europäisches Land auf eigene Initiative seine Marine, die Küstenwache und weitere Behörden zu Rettungsaktionen von afrikanischen Flüchtlingen mobilisiert.

Auch die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" forderte am Donnerstag einen Kurswechsel in der EU-Migrations- und Grenzpolitik. Die EU-Politik dürfe nicht länger das Leben Tausender Menschen gefährden, erklärte die internationale Ärzteorganisation in Berlin. Anfang der Woche waren mehrere Schlauchboote mit Flüchtlingen bei hohem Wellengang im Mittelmeer gekentert.

Die restriktive Grenzpolitik der EU-Mitgliedsstaaten lasse Flüchtlingen und Migranten keine andere Wahl, als die gefährliche Route über das Meer zu wählen, kritisierte der Koordinator der Einsätze von "Ärzte ohne Grenzen" in Italien, Manu Moncada. Er verwies darauf, dass die Zahl der Kriegsflüchtlinge aufgrund der eskalierenden Gewalt in Libyen, Syrien und dem Irak immer stärker zunehme.

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