Ideen für die Zukunft

Tagesthema 10. Juni 2022

Kirchliche Arbeit verändert sich aktuell sehr stark und damit auch die Aufgaben der beruflich in der Kirche tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die hannoversche Landeskirche will gegensteuern und hat einen Zukunftsprozess ins Leben gerufen. Pastor*innen, Diakon*innen, Sozialarbeiter*innen und Kirchenmusiker*innen entwickeln dafür neue Ideen.

Rund 170 Pastor*innen, Diakon*innen, Sozialarbeiter*innen und Kirchenmusiker*innen aus der hannoverschen Landeskirche entwickelten drei Tage lang in Osnabrück neue Ideen für die Zukunft ihrer Berufe. „Wir wollen uns dem Mitgliederschwund und dem Fachkräftemangel in unserer Kirche nicht einfach depressiv aussetzen, sondern wir wollen Subjekte des Geschehens sein“, sagte Oberlandeskirchenrätin Nicola Wendebourg, Leiterin der Personalabteilung im Landeskirchenamt. Pastorinnen und Pastoren könnten nicht mehr alles selbst machen. Es werde immer wichtiger, dass alle Berufsgruppen in einer Gemeinde als Team zusammenarbeiteten und Aufgaben gemeinsam und gabenorientiert angingen.

Nicht immer müsse der Diakon die Jugendarbeit übernehmen und die Pastorin die Taufen und Trauungen, ergänzte Inga Rohoff, landeskirchliche Referentin für Diakoninnen und Diakone. Die Teams sollten zudem offen sein für Ehrenamtliche und Menschen mit kirchenfremden Berufen, betonte Wendebourg. So erledigten in manchen Regionen bereits eigens eingestellte Geschäftsführer die Verwaltungsaufgaben. Unter dem Titel „Attraktives Gemeindebüro“ habe die Landeskirche dafür ein Förderprogramm aufgelegt.

Es lohne sich darüber hinaus, die Zusammenarbeit mit nichtkirchlichen Vereinen und Gruppen in den Stadtteilen oder Dörfern auszubauen. So könnten etwa Räume in Gemeindehäusern den Kleingärtnern oder anderen Gruppen angeboten werden, betonte die Oberlandeskirchenrätin. Die Kirche sollte nicht nur ihre Mitglieder im Blick haben, sondern alle Menschen. Sie sollte sich nicht zu sehr auf sich selbst konzentrieren. „Die Menschen müssen nicht erleben, dass Kirche toll ist, sondern dass es eine göttliche Kraft der Liebe gibt.“

Die Tagung unter dem Titel „Raus ins weite Mehr. Verkündigungsberufe 2030“ lief bis zum Donnerstag. Sie ist Teil des Prozesses „Wir reiten die Welle“, den die Landeskirche vor vier Jahren gestartet hatte. Die Entwicklung und Umsetzung neuer Ideen dient laut Wendebourg auch dazu, dem durchaus besorgniserregenden Nachwuchsmangel zu begegnen. Dieser betreffe neben den Pastoren und Pastorinnen vor allem auch die Kirchenmusiker*innen: „Es ist für uns als Institution oder Organisation eine immer größere Herausforderung, Menschen dafür zu begeistern, in der Kirche zu arbeiten.“

Die bisherigen Veranstaltungen hätten gezeigt, dass die Beteiligten hoch motiviert seien, etwas zu verändern, und vor Ideen sprühten. Pastoren und Pastorinnen, die gerne arbeiteten, seien die beste Werbung für den Nachwuchs.
Der Lünebuger Regionalbischof Stephan Schaede forderte zudem eine bessere Außendarstellung der Kirche. Die Schlagzeilen würden zu oft vom Thema Missbrauch beherrscht. Das, was die Kirche und ihre Gemeinden für die Gesellschaft leisteten, werde zu wenig herausgestellt. „Wir vermarkten uns noch nicht gut genug und reden zu wenig davon, wo die Kirche überall die Finger im Spiel hat.“

epd Niedersachsen-Bremen

Zukunftsprozess

Der Zukunftsprozess läuft unter dem Hashtag #Kirche2030

Die Landeskirche Hannovers hat sich gemeinsam mit ihren Gemeinden auf den Weg gemacht, um Lösungen finden, die nicht nur vor Ort, sondern womöglich allen helfen. Denn die meisten Probleme gleichen sich – ob im Harz oder an der Nordsee-Küste. Unter dem Motto „#Kirche 2030 – Gemeinsam mehr sehen!“ werden sämtliche Arbeitsfelder der Kirche durchleuchtet.
Ziel ist, Problemfelder zu identifizieren – und Lösungsansätze, ganz egal wo im Bereich der Landeskirche. Bereits laufende Prozesse dieser Art werden dabei nicht ersetzt, sondern – im Gegenteil – ergänzt durch Gleichgesinnte, die erst durch die landesweite Vernetzung für alle in Erscheinung treten.

Alle Informationen zum Zukunftsprozess finden sich auf einer eigenen Website. Das ZP-Team ab sofort über die E-Mail-Adresse zukunftsprozess@evlka.de erreichbar.

Zur Website des Zukunftsprozesses