Segen mit Konfetti: Neuer YouTube-Kanal BASIS:KIRCHE gestartet

Tagesthema 18. Januar 2022

Der Segen kommt mit Konfetti per Video, und Gebete gibt es als kurze Online-Clips: Die evangelischen Kirchen in Niedersachsen und Bremen haben am Sonntagabend den neuen Youtube-Kanal BASIS:KIRCHE freigeschaltet. Er soll verstärkt Menschen aus der Altersgruppe zwischen 20 und 45 Jahren erreichen.

Der neue Kanal bringt kirchliche und soziale Inhalte in Videoform und stellt sie auf Abruf zur Verfügung. Er richtet sich an Nutzer die nach etwas anderem suchen als dem klassischen analogen Gottesdienst oder den bereits bestehenden digitalen Angeboten der Kirche. Künftig sollen viermal pro Woche Talks und Reportagen, aber auch kurze Gebetsclips in einer Länge von zwei bis zehn Minuten freigeschaltet werden.

Noch ein Kirchen-Kanal auf YouTube? Warum?

Videos in unterschiedlichen Kategorien

Gestaltet werden die Beiträge von einem Team von rund 30 jungen Pastorinnen und Pastoren, Religionspädagog*innen und Musikerinnen und Musikern. Diese nehmen die Nutzerinnen und Nutzer mit auf eine Suche nach Sinn und Spiritualität - etwa durch einen Besuch beim Bestatter oder ein Gespräch mit querschnittsgelähmten Menschen. Produziert werden die Videos vom Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen-Bremen (ekn), der unter anderem auch Radio-Beiträge für die Privatsender Radio ffn und Antenne erstellt.

"Die großen Fragen des Lebens werden heute gegoogelt."

Der neue Youtube-Kanal entstand im Zuge der Corona-Pandemie, in der sich die Kirche verstärkt durch digitale Angebote an die Menschen wendet. „Die großen Fragen des Lebens nach Schuld und Vergebung, nach Liebe und dem Leben nach dem Tod, werden heute gegoogelt“, sagte der Ratsvorsitzende der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, der Oldenburger Bischof Thomas Adomeit. „Als Kirche müssen wir dort präsent sein, wo gesucht wird.“ Die BASIS:KIRCHE soll bis zum Jahresende erprobt werden.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Übersicht BASIS:KIRCHE

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BASIS:KIRCHE - Was ist das Ziel? Wer ist dabei?

Katharina Schreiber-Hagen ist seit 2019 Chefredakteurin des Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen-Bremen. Sie hat in Hildesheim Kulturwissenschaften studiert und ab 2014 den Evangelischen Rundfunkdienst Nord in Hamburg geleitet. Zuvor arbeitete sie als Redakteurin und stellvertretende Redaktionsleiterin beim Privatsender Antenne MV in Mecklenburg-Vorpommern.

Kirche bei YouTube, ein Segen via Pixel - wie kann das funktionieren, Gott als binärer Code, zwischen 1sen und 0en? Kann ich wirklich Gott im Internet finden?

Katharina Schreiber-Hagen: Wir können die große Liebe im Netz finden, wir suchen Antworten auf alle die großen Fragen im Netz und ich bin davon überzeugt, dass wir auch Gott online erleben können. Wir glauben doch daran, dass Gott überall ist. „Von allen Seiten umgibst du mich, Herr“ – und auch wenn der Psalmbeter das damals nicht so mitgedacht hat, sind damit bestimmt auch Seiten im Netz gemeint. Wenn ich auf dem Sofa mit Smartphone in der Hand einen Gebetsclip sehe, der mich berührt, dann fühle ich mich Gott ganz nahe.

Was ist das Ziel des Ganzen? 10.000 Abonnenten oder 1.000 Kircheneintritte pro Jahr...?

Ziel ist, Menschen ein digitales zu Hause zu geben, die einen Draht zu Glauben und Kirche haben, aber für die bei den bisherigen Angeboten der Kirche nicht das Richtige dabei ist.
Wir haben nicht die Erwartung, dass der Kanal Menschen zum Eintritt in die Kirche bewegt. Aber vielleicht dazu, nicht aus der Kirche auszutreten oder sich für unsere Themen zu interessieren… Sollten wir am Ende wirklich einen Menschen zum Kircheneintritt bewegen können, dann begleiten wir ihn oder sie gerne dabei mit einer Reportage!
Was die Abo-Zahlen betrifft: Wir gehen mit dem Kanal nicht an den Start, um am Ende 1.000 Abonnent*innen zu haben. Ein bisschen mehr sollten es schon sein. Aber der Erfolg des Kanals bemisst sich nicht allein an Abos und Klicks, sondern zum Beispiel auch an Interaktion. Zum Glück sehen das unsere Auftragsgeber genauso! Und es wird auch keiner von vielen werblichen Kanälen bei YouTube – also Pastor*innen, die Hautcremens mit Gutscheincodes anpreisen, wird es nicht geben.

Also quasi "Godship statt parship", alle drei Minuten abonniert jemand den Kanal? Kann das zu einer dauerhaften Beziehung zu Gott oder der Kirche führen?

Vielleicht ist es wie bei jeder Verliebtheit – was daraus wird, ist ungewiss. Manche trennen sich nach vier Wochen, andere sind bis zum Lebensende verheiratet… Aber im Ernst: Der Kanal soll zunächst einen Einstieg in die Beziehung zu Gott und zur Kirche möglich machen. Wir müssen uns bewusst machen: Immer mehr Menschen haben überhaupt keinen Kontakt zu Gott, noch weniger zur Kirche, aber sie haben existenzielle Fragen. Wenn wir es schaffen, dass ein User oder eine Userin vor dem Laptop oder dem Smartphone sitzt und darüber nachdenkt, was nach dem Tod passiert oder vielleicht sogar bei einem Gebetsclip mitbetet, die Videos kommentiert und über unsere Cretor*innen erfährt und spürt, dass sie geliebt sind – dann haben wir schon richtig viel erreicht. Unser Traum ist eine Online-Gemeinde, wir wollen gerne eine Community aufbauen. Menschen, die sich online über die großen Fragen im Leben austauschen und Fragen stellen, die von den Creator*innen in den Talks aufgegriffen werden. Der Kanal soll nicht nur Sender sein, sondern vor allem auch Empfänger.

Die Pastorinnen und Pastoren, die bei der BASIS:KIRCHE dabei sind, nutzen teils ihr Arbeitszeit für die Produktion der Videos - schränken sie dann nicht ihre "eigentliche" Arbeit ein, vor Ort?

Die Aufgabe der Pastorinnen und Pastoren ist es doch, da zu sein, wo die Menschen sind. Und die verbringen inzwischen viel Zeit im Netz: Shopping, Onlinebanking, Videokonferenzen – alles geht inzwischen bequem per Smartphone – da darf die Kirche nicht fehlen. Von daher ist es konsequent, wenn wir das jetzt mit der BASIS:KIRCHE ausprobieren. Ja, da erweitern die Arbeit einiger Pastor*innen. Aber es ist doch so: Wenn die Leute am Sonntag nicht in die Kirche kommen, dann müssen wir zu ihnen gehen. Das gilt gerade mit Blick auf die junge Zielgruppe der BASIS:KIRCHE.

Es sollen auch besonders nicht-kirchliche Menschen mit dem neuen Kanal angesprochen werden. Aber im Namen der Basiskirche steht schon "Kirche" drin. Wie soll das trotzdem klappen?

Kirche lebt von den Menschen, die sie gestalten – von ihren Emotionen, ihren Geschichten und von ihrem Glauben. Wenn ein tolles Programm angeboten wird, wird sich kaum jemand vom Klingelschild abschrecken lassen. Uns ist natürlich bewusst, dass der Name auch „Kirche, bloß nicht“ hervorrufen kann, aber: Der Absender soll ganz transparent sein. Wir wollen klar kommunizieren, dass der Kanal ein offizieller Kanal der Kirche ist. Wir wollen aber gleichzeitig Kirche von einer Seite zeigen, die viele Menschen, die wenig Kontakt zur Kirche haben, überhaupt nicht auf dem Schirm haben.
Gleichzeitig bietet das Internet einen Sicherheitsabstand: Hier muss sich niemand über eine Kirchenschwelle reinschleichen und Angst haben, sich zu blamieren, weil er oder sie das Vaterunser nicht kann. Reinklicken, reingucken, ranwagen.

Glitzer bei AndersAmen, Konfetti bei der BasisKirche: steht ihr einfach auf kleine, flimmernde Schnipsel? ;) - Und vereinfacht das fröhlich-neonfarben-partylaunige nicht dabei die tiefen Fragen des Lebens?

Kirche hat viel mehr als die Farbe schwarz zu bieten. Aber wir haben bei Anders Amen schnell bewiesen, dass es uns weniger um Glitzer, sondern vor allem um die tiefen Fragen geht. Genauso wird es bei der BASIS:KIRCHE nicht nur Konfetti regnen, wir sprechen auch über schwere, traurige Themen. Es geht um Tod, um Krisen und Verzweiflung. Und all das, was unser Leben bereichert. Liebe, Sex, Partnerschaft, Kinderwunsch, Karriere. Und es wird immer darum gehen, dass es jemanden gibt, der in allen Lebenslagen bei uns ist und uns Halt gibt. Vielleicht können wir den dunklen Tagen etwas Hoffnungs-Glitzer geben und uns an den hellen Tagen mit den anderen mitfreuen.

•Christopher Schlicht, Bremerhaven - @wynschkind
•Hanna Jacobs, Hannover - @hannagelb
•Maximilian Baden, Eschede - @listen.max
•Maximilian Bode, Bremerhaven - @pynk_pastor
•Ina Jäckel, Leer - @dingens.von.kirchen
•Julia Frohn, Bremen - @juliafroh_
•Mathias Hartewieg, Bruchhausen-Vilsen - @_brotwort_
•Jonas Drude, Göttingen - @jonasdrude
•Simon de Vries, Nordhorn - @simondevries
•Hannah Detken, Bremen - @begeistertehannah
•Quinton Ceaser, Wiesmoor - @pastor_vanniekaap
•Lucas Söker, Oldenburg - @lucassoeker
•Fabian Dargel, Oldenburg - @fabsi_fabstastisch
•Annie Heger, Berlin/Bad Zwischenahn - @annieheger
•Deborah Siemermann, Ohmstede - @debolein
•Johanna Klee, Braunschweig - @stadtpoetin
•Sina Schröder, Barnstorf - @feelslike_sina
•Svenja Kluth, Moisburg - @spurensucherin_
•Carina Vornkahl, Reislingen (Wolfsburg) - @carina_vornkahl
•Henrike Lüers, Nordhorn - @henrikelueers
•Sören Engler, Osnabrück - @pastor.engler
•Christiane Meyer, Seggebruch
•Vanessa Viehweger, Braunschweig - @ethikarin
•Toni Dedio, Göttingen - @dynamiskaidoxa