Privat und entscheidend

Tagesthema 23. Oktober 2021

Andacht zum 21. Sonntag nach Trinitatis

Welche Entscheidungen sind eigentlich relevant in unserem Leben? Ein paar fallen mir spontan ein.

Dann lese ich in einer großen Wochenzeitung die Diskussion um die Gebetsrufe der Muezzin an der Moschee in Köln. Ich erinnere mich an eine Studienfahrt nach Istanbul. Die Stadt war groß genug, um unterschiedliche Sonnenaufgänge an den Moscheen passieren zu lassen. Irgendein Muezzin rief immer ...

Wie relevant ist es, unserer Religion anzugehören? Es gibt einige Punkte, an denen das auf einmal relevant ist. Wenn ein Arzt in einem Krankenhaus der Kirche anfangen will. Wenn Menschen in einer Kindertagesstätte der Kirche arbeiten wollen. Jede Person in einem Pfarrhaus wird es kennen, dass Menschen Paten werden wollen, aber nicht Mitglied der Kirche sind.

Aber an sich ist Glaube Privatsache. Das ist gut so, dafür haben genügend Menschen lange genug gekämpft.

Und dann stolpere ich über ein Jesuswort: Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.

Ist Jesus Christus nicht verbindend, sondern trennend? Nicht beruhigend, sondern entscheidend? Ist mein Glaube an diesen Jesus so unbequem?

Glaube bleibt Privatsache. Aber es gibt Momente, in denen meine private Überzeugung relevant wird für die Welt, in der ich mich bewege.

Also doch Privatsache. Manchmal entscheidend. Und hoffentlich überzeugend.

Amen.

Pastor Jakob Kampermann/EMA

Der Bibeltext

Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.

Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.

Matthäusevangelium 10, 34-39