Andacht zum 14. Sonntag nach Trinitatis

Tagesthema 04. September 2021

Andacht zum 14. Sonntag nach Trinitatis

Ich habe das gerne mit meiner Tochter gespielt. Nach dem Essen lutschte sie gerne an ihrem Löffel und haute damit auf den Tisch. Dann hielt sie mir erwartungsvoll den Löffel entgegen. Ich nahm ihn, strahlte dabei wahrscheinlich übers ganze Gesicht und sagte „Danke“. Sie zog die Hand zurück, und dann wechselten wir die Rollen. Ich streckte ihr den Löffel hin. Und sie nahm ihn und quietschte vor Vergnügen.

Wenn Eltern stundenlang Spielzeug und Rosinen und Zwiebäcke zwischen sich und ihrem Kind hin- und herreichen und dabei begeistert "Danke" sagen, dann ist das mehr als Höflichkeitstraining. Das Wort "Danke" umfasst auch die Anerkennung, dass eine Verbindung zwischen uns besteht.

Dank ist der Ausdruck des Glaubens, und das ist die Verkündigung des Evangeliums von heute. "Dein Glaube hat Dir geholfen", sagt Jesus zu dem Samariter, der zurückkommt, um zu danken.

Die Geschichte spielt im Grenzland zwischen Samaria und Galiläa.

Eine Kommune von zehn Menschen mit Aussatz. Sie alle erhoffen sich Heilung von Jesus. Jesus sagt ihnen das zu. Alle 10 glauben ihm auf sein Wort hin. Und alle 10 werden rein. Alle können wieder ihren Platz in der Gesellschaft und Familie einnehmen. So handeln 9.

Der Zehnte aber tut als erstes etwas anderes. Er muss zu Jesus zurückgehen, um Gott zu danken. Nicht weil der Samariter ein anständiger Junge ist, der nicht vergisst, was seine Mutter ihm mal beigebracht hat. Sondern weil er Gott erlebt und erfahren hat - als denjenigen, der einen Menschen sieht und ihm Bedeutung und Wert verleiht. Er hat erlebt und erfahren, dass er, der Kranke, in Gottes Augen Bedeutung hat.

"Danke" zu sagen ist dasselbe, wie wenn man sagt: "Ich habe Dich und das, was Du mir gibst, gesehen. Du hast Bedeutung für mich. Es ist nicht selbstverständlich, dass Du hier bist und mir gibst, was Du geben kannst."

Dass der Samariter all das Gott sagt, bedeutet gleichzeitig, dass er eine Beziehung zu Gott sucht, eine Beziehung mit Gott hat. Nichts anderes ist Glaube.

Dass der Samariter nebenbei auch noch gesund geworden ist, ist für Jesus nicht das Entscheidende. Dein Glaube hat Dich heil werden lassen. Das meint mehr und anderes als eine Genesung. Entscheidend ist, dass er den Glauben des Samariters mit Händen greifen kann. Dessen Sehnsucht nach Gott. Nach einem Leben mit Gott. Und danach, dass das Leben mit Gott nie aufhört.

Und er sprach zu ihm: „Steh auf, geh hin;“ Dein Leben mit Gott hat gerade erst angefangen.

Amen.

Jakob Kampermann/EMA

Der Bibeltext

Und es begab sich, als er nach Jerusalem wanderte, dass er durch das Gebiet zwischen Samarien und Galiläa zog. Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer; die standen von ferne und erhoben ihre Stimme und sprachen:

Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser! Und da er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein.

Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde?

Und er sprach zu ihm: Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen.