Taufe mit 20

Tagesthema 27. Juli 2021

Lydia Cramer ist 20 Jahre alt, macht eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten und lebt im Örtchen Eystrup im Kirchenkreis Syke-Hoya. Seit dem 18. Juli ist sie offiziell Mitglied der Gemeinde in Hassel - per Ganzkörpertaufe.

Frau Cramer, mit 20 Jahren den Weg zur Kirche zu finden, klingt erstmal ungewöhnlich. Wie kam es dazu?
Cramer: „Vor einiger Zeit hat mich ein Freund zu einem Gottesdienst von Pastor Weiland mitgenommen. Ich fand ihn super und dachte ‚Mensch, es ist nicht alles so altbacken‘. Es war nicht zum Einschlafen, wie ich mir das vorgestellt habe, sondern es war cool. Inhaltlich war es aktuell und modern, das hatte ich nicht erwartet. Im letzten Jahr bin ich dann umgezogen und hatte das Bedürfnis nach einem Seelsorgegespräch und dachte mir, sowas machen doch Pastoren und da ist mir dann Herr Weiland wieder eingefallen. Nach den Gesprächen habe ich dann ab und zu die Gottesdienste besucht. So kam ich dann zur Kirche.“

Das klingt so, als hätte die persönliche Begegnung mit Pastor Michael Weiland wesentlich dazu beigetragen?
Cramer: „Ja, es hat einfach gepasst. Die Gemeinde Hassel ist eigentlich nicht meine örtliche Gemeinde, aber ich fühle mich dort einfach wohl und angekommen. Michael Weiland begegnet Menschen auf Augenhöhe, hört zu und versteht sie. Er ist in jedem Fall eine Bereicherung für die Kirche.
Klar, ich habe mich vorher immer mal wieder mit Kirche und Glauben auseinandergesetzt. Meine Eltern sind Mitglieder in einer Freikirche, aber das Konzept ging für mich nicht auf.  Ich hatte früher auch schon den Taufgedanken, aber habe mich nicht bereit gefühlt. Mit dem Evangelischen Glauben habe ich nun meinen eigenen Weg gefunden.“

Wie haben Sie sich denn auf so einen Tag vorbereitet?
Cramer: „In den Tagen vor der Taufe war ich wirklich aufgeregt. Wenn man sich als Erwachsene taufen lässt, hat man keinen Taufpaten. Man steht das an dem Tag allein durch, das ganze Prozedere (lacht). Natürlich hat mir der Taufkurs vorab geholfen, um zu schauen, ob die Rahmenbedingungen passen. Pastor Weiland und ich haben sechs Stunden über Gott und die Welt, im wahrsten Sinne, gesprochen und uns besser kennen gelernt.  
Ein anderer Punkt war auch, mir zu überlegen, was ziehe ich an zu einer Ganzkörper-Taufe. Ich habe mich für ein weißes Spitzenkleid entschieden – und mich probeweise in die volle Badewanne gelegt, damit ich sicher sein konnte, dass nichts durchsichtig wird. Das war zumindest eine Sorge weniger.“

Pastor Michael Weiland hängt Täufling Lydia Cramer eine Kette um. Bild: privat

Wie war die Taufe für Sie?
Cramer: „Es war wirklich wunderschön, aber ich war echt nervös.  Wir waren insgesamt neun Täuflinge am Badesee in Eystrup. Das Wetter war zwar sommerlich, doch das Wasser war ziemlich kalt. Ich war mit Abstand die Älteste und die Einzige, die eine Ganzkörper-Taufe wollte. Bevor es für mich rückwärts unter Wasser ging, musste ich ein paar Mal tief durchatmen, weil ich aufgeregt war. Aber als ich dann unter Wasser war und wieder hochkam, fiel die ganze Anspannung ab. Es war unglaublich. Meine Freundin Hannah, die mit mir ins Wasser ging, sagte nach der Taufe und dem Segen meinen Taufspruch auf. Sie kam extra aus Baden-Württemberg, das hat mich total gefreut. Ich hätte auch nicht gedacht, dass es so emotional wird, sowohl für mich als auch für meine Freunde und Familie. Sogar eine Freundin, die eigentlich mit Kirche nichts am Hut hat, musste weinen.  Im Anschluss habe ich dann mit allen noch ein wenig gefeiert.“

Hat sich seitdem etwas für Sie geändert?
Cramer: „Ich habe schon das Gefühl, angekommen zu sein. Es klingt vielleicht blöd, aber ich habe das Gefühl, näher bei Gott zu sein, und auch in der Gemeinde fühle mich jetzt endgültig zugehörig. Natürlich waren sie vorher schon toll, aber ich fühle mich jetzt einfach mehr als Teil des Ganzen. Gerade in der Gemeinde war ich von Anfang an willkommen, es ist ein ganz herzliches Miteinander und da möchte ich auch weiterhin aktiv mitmachen. Natürlich war ich vorher auch immer zur Stelle, wenn Hilfe beim Aufbau oder so gebraucht wurde. Aber jetzt möchte ich einfach mehr mitgestalten. Ich habe schon gefragt, ob ich beim Gemeindebrief mitarbeiten kann. Und wer weiß, vielleicht gehe ich irgendwann mal in den Kirchenvorstand.“

Interview: Wiebke Lampe/Themenraum