Ein Playmobil-Luther liegt auf einer Rose. Bild: Matthias Bocholt

So geht Kirche also.

Tagesthema 17. Juli 2021

Andacht zum 7. Sonntag nach Trinitatis

Ein Playmobil-Luther liegt auf einer Rose. Bild: Matthias Bocholt

Ich hatte mir eine so schöne und theologisch korrekte Ansprache zurecht gelegt und dann kam - gottlob - alles ganz  anders: „Ich werde bleiben im Haus des Herrn immerdar“ (Psalm 23,6). Das war der Spruch, den sich die Eltern zur Taufe ihres zweijährigen Sohns als Taufspruch ausgesucht hatten.
Die kleine Festgesellschaft versammelte sich vor ein paar Wochen nach dem „Großen-Gottesdienst“ zu einer Feier vorn im Altarraum - ein wenig nervös, ob sich der große Bruder und das Taufkind auch an die ortsüblichen Kirchen-Benimmregeln würden halten würden. Aber als die beiden die große Playmobil-Kirche auf dem Teppich vor dem Altar entdeckten, gab es kein Halten mehr, sie vergaßen schlagartig alles um sich herum und begannen geräuschvoll zu bauen.

Zunächst wurden aus der Kirche sämtliche Bänke und die Orgel ausgeräumt, auch der Playmobil-Luther musste von der Kanzel weichen und fand erstmal außerhalb seinen Platz. Der Kirchturm mit Knöpfen für Glockengeläut und Orgelsound („Der Hochzeitsmarsch“ von Mendelssohn-Bartholdy!) wurde in seine Einzelteile zerlegt; dann war das Dach dran und die Kirche war nun nach oben offen. 

Mit großer Ernsthaftigkeit begannen im nächsten Schritt die Umbauarbeiten: Braut und Bräutigam durften sich auf die Kirchenbänke legen und ausruhen, Pastor Luther kümmerte sich im Freien um die Rosen und die Innenmauern wurden samt Vordach nach außen gedreht, so dass das Gotteshaus etwas von einer Tankstelle bekam. In einer Kiste fand sich dann auch noch der Imbiss aus einem anderen Spielset (mit Brathähnchen und Pommes!), an dem sich dann alle nach getaner Arbeit stärken konnten. Die Tankstellen-Kirche war komplett.

Eine Pastorenpredigt hätte in dem Moment nur vom Eigentlichen abgelenkt. Also setzten wir uns still dazu, reichten bei Bedarf Steine an, staunten und lernten: So also geht Kirche! Spielerisch, kreativ, ein bisschen verrückt. Nicht von oben herab vorgeben, was zu tun und zu glauben ist. Sondern gastfreundlich sein, die Kirche zum Spielzimmer werden und sich überraschen lassen, was dann für gute Ideen kommen.

Ich glaube, uns alle hat an diesem Sonntagvormittag das Konzept einer „Tankstellen-Kirche im Grünen“ sehr überzeugt. Und wenn so die Zukunft der Kirche aussieht, dann will ich gerne daran mit- und diese Ideen „in groß“ nachbauen. Die Experten aller Altersklassen sind bereits am Start. Und ich kümmere mich dann auch um die Rosen, wenn gewünscht.

Pastor Matthias Bochow