Viele Gemeinden sind zunehmend digital unterwegs. Bild: Reni Kruckemeyer-Zettel

"Wir brauchen keine 10.000 Follower auf YouTube"

Tagesthema 15. Juni 2021
Viele Gemeinden haben digitale Angebote entwickelt. Bild: privat

Ein Podcast, der die Fragen klärt, die man sich kaum zu stellen traut. Ein YouTube-Kanal, der zeigt, wie sich Kirche, Gemeindeleben und queere Themen vereinbaren lassen. Eine Pastorin, die Gebetsanliegen über Instagram entgegennimmt und daraus Fürbitten macht und Kerzen entzündet. Hunderte, wenn nicht tausende, Online-Gottesdienste und -Andachten, per Livestream oder aufgezeichnet jederzeit abrufbar: Gemeinden, Haupt- und Ehrenamtliche sind schon mittendrin in der digitalen Welt. 

Auch die Verwaltung sagt: Es soll noch schneller gehen mit der Digitalisierung der Kirche. Doch kurzfristige Bedarfe, etwa an Ausrüstung, wie Laptop oder Videokamera, und langfristige Projektplanungen sind nicht immer leicht zu koordinieren, hieß es zuletzt bei der Tagung der Landessynode. Die Überlegungen reichen von der Frage dienstlicher Mailadressen über Software, um gemeinsam Dokumente bearbeiten zu können, bis zu personeller Ausstattung. 
Eine Erkenntnis: „Es geht nicht mehr um standardisierte Endgeräte für eine bestimmte Berufsgruppe, sondern um standardisierte zentrale Dienste, die von allen Mitarbeitenden genutzt werden“, heißt es im entsprechenden Aktenstück. Die Arbeit geht weiter, einige Fragen sind noch offen: Dr. Martin Krarup, Synodaler aus dem Sprengel Stade, wies mit Nachdruck auf Fragen zur stärkeren Vernetzung von Gemeindebüros hin: „Wann wird es eine funktionierende Cloud geben? Wann haben auch die Ehrenamtlichen eine ,@evlka‘-Adresse?“ Gabriele Furche, ebenfalls Sprengel Stade, forderte neben einer zügigeren Umsetzung, zusätzlich das Thema Diensthandys in die weiteren Beratungen aufzunehmen. Viele Fragen seien nach Ansicht der Leiterin des Stader Kirchenamtes noch nicht geklärt. „Das IT-Konzept ist dringend überarbeitungsbedürftig. Wir hängen trotz Schub durch die Pandemie 10 Jahre hinterher“, so Furche. 

Reni Kruckemeyer-Zettel ist Pastorin in Burgwedel.

Von viel Mut und Engagement in den Gemeinden, Neues zu probieren und digitale Wege zu gehen, gerade zu Beginn der Pandemie, berichtet unter anderem Pastorin Reni Kruckemeyer-Zettel von der St. Marcus-Gemeinde in Wettmar.

Frau Kruckemeyer-Zettel, Corona habe einen Digitalisierungsschub geleistet, heißt es oft. wie war es bei Ihnen?
„Für uns hat Corona definitiv viel Gutes gebracht, viel Aufbruchsgeist, Mut und Zeit, Neues auszuprobieren. Wir haben tägliche Video-Andachten aufgenommen, Jugendliche haben Mittagsandachten gestaltet – da waren gleich ganz viele Leute, auch aus der katholischen Gemeinde, die Lust hatten, sich zu beteiligen – das war echt toll. Die Andacht machen wir weiterhin wöchentlich. Es war ein ,learning by doing' - ausprobieren und mit YouTube-Tutorials einige Grundlagen lernen. Und auch vieles andere ist ins Digitale gewechselt, Konfi-Treffen und Zoom-Gottesdienste, Whats-App-Rallies…“

Die Kirche ist etwa 2.000 Jahre alt – Instagram einige wenige. Wie geht das zusammen? 
„Wie viel sich nach Corona erhalten wird, wird sich zeigen – aber Digitales und Kirche gehen also wunderbar zusammen! Wir haben aber auch gemerkt, dass wir viele abhängen, wenn wir nur digital unterwegs sind. Das haben wir damit aufgefangen, dass wir Aktionen gemacht haben, wie Briefe schreiben oder Bilder malen für Senioren und Seniorinnen und schlicht auch mal anrufen.“

Worauf kommt es künftig an? 
„Es wird immer eine Mischung zwischen Analogem und Digitalem brauchen. Nächstes Projekt ist, die Bemühungen in einer Technik AG zu bündeln, eine feste Gruppe aus Jugendlichen und Erwachsenen zu installieren, die sich in die Technik reinfuchsen und das immer weitergeben. Unser Ziel ist dabei gar nicht, 2.000 Abonnenten auf YouTube zu erreichen oder virale Hits zu landen – es ist wichtiger, dass die 300, die wir erreichen, gern erreicht werden und dabei sind. Es ist toll, dass viele beim Sonntagsspaziergang ihre feste Route entlang der Kirche haben und dort gucken, ob es etwas Neues gibt. Genauso die Schulkinder, die nach der Schule schauen, ob sie eine Mitmach-Tüte bekommen.“ 

Themenraum

Fürbitten via Instagram

Aktion Hoffnungsleuchten: Ina Jäckel bietet an, Wünsche und Anliegen in ihr Gebet aufzunehmen. Bild: Screenshot aus dem Profil "Dingens.von.kirchen"

Etwa 1.600 Menschen folgen Ina Jäckel auf Instagram - die Mehrheit von ihnen stammt aber gar nicht aus ihrer Gemeinde. "Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele würden", sagt die Pastorin aus Loga in Ostfriesland. 

Zum Bericht

"Wir sind so lieb und verrückt, wie alle anderen auch"

Die Pastoren Max Bode und Chris Schlicht haben bewusst um die Sendung in eine Gemeinde gebeten, in der man viel Neues ausprobieren kann. "Wir strecken quasi digital die Hand aus, vom ersten Tag vor gut einem Jahr an." 

Zum Bericht aus Bremerhaven

Berichte aus der Landessynode

IV. Tagung der 26. Landessynode

Auch die Verwaltung der Landeskirche will digitaler werden. Berichte und Hintergründe, was auf der Synoden-Tagung besprochen wurde, finden Sie hier.

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