Archivbild (vor 2020). Bild: privat

Neu geboren

Tagesthema 29. Mai 2021

Andacht zu Trinitatis

Archivbild (vor 2020). Bild: privat

Weil ich im Rollstuhl sitze, konnte ichnicht zu unserem Taufbecken kommen. Also machten wir es andersrum. Das Taufbecken kam zu mir. Ein Pate des Täuflings musste es halten. Taufe an sich ist ein Geschehen von hoher Dichtigkeit. Schön betont wird diese, wenn der Täufer oder die Täuferin mit den Augen das nachvollzieht, was da gerade passiert.
Das ist bei Sakramenten allgemein so. Und ich bin so sehr Lutheraner, dass ich das wirklich glaube.

Ein besonders dichter Moment ist der Segen nach der Taufhandlung. Mit Handauflegung über dem Taufbecken:

Es segne Dich der allmächtige Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Dich von Neuem geboren hat durch das Wasser und durch seinen Geist.

Das passiert in diesem Moment wirklich. Der Täufling wird neu geboren. Und weil das nicht wirklich zu sehen ist, hefteten meine Augen immer an dem Wasser und der Taube, die in dem Taufbecken drin ist. Gülden.
Die konnten wahrscheinlich nur der Täufling und ich sehen. Für alle anderen war die Taube wieder oben sichtbar an der Decke, an der Spitze des Chorraumes.

Als Jesus von dem Pharisäer Nikodemus Besuch bekommt in der Nacht, haben sie diese Abbildung des Geistes wahrscheinlich nicht.

Jesus  antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

Von einer Taufhandlung wird da im Johannesevangelium nichts erzählt. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Nikodemus tatsächlich alle Fragen geklärt bekommt. Aber ich bin mir sicher, dass die neue Geburt meiner Täuflinge noch lange nicht zu Ende ist. Dieser Prozess geht immer weiter. Ein Leben lang. Aber er hat mit der Taufe ein Datum für einen Anfang. Und ich mag auch nicht versprechen, dass dieser Prozess ohne Wehen vor sich geht. Er ist bisweilen mühsam. Aber er endet bestimmt gülden.

Amen.

Jakob Kampermann

Der Bibeltext

Es war ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster der Juden. Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn, Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus  antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren wird
aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist. Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag das zugehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du bist Israels Lehrer und weißt das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und ihr nehmt unser Zeugnis nicht an. Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sage? Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn. 

Johannesevangelium 3, 1‐13

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