Die Party ist aus ...

Tagesthema 17. Januar 2021

...der Rausch zu Ende. Wurde Zeit. Das Schneller, Höher und Weiter - gepaart mit delirierenden Erschöpfungszuständen - konnte auf Dauer nicht gut gehen. Nun ist Katerstimmung. Mit verbundenen Mündern stehen wir vor geschlossenen Bars und Diskotheken und erinnern uns an den Wahn von gestern.

„Es wird nie wieder wie früher!“ Neben Wehmut tritt Erleichterung! Ich kann die sehnsüchtigen Rufe nach der ‚guten alten Zeit‘, in der wir tonnenweise Kerosin verbrannt haben, um im Oktober im Meer zu planschen, nur bedingt verstehen.

Eigentlich fand ich es immer sympathisch, dass Jesus Wasser in Wein verwandelt hat. Ein ‚Fest ohne Ende‘ klingt großartig! Aber: Zum Wesen eines Festes gehört auch, dass es zu Ende geht, wenn es am Schönsten ist und nicht erst dann, wenn alle unterm Tisch liegen.

„Maria sagt: ‚Sie haben keinen Wein mehr.‘ Jesus sagt: [...] ‚Meine Stunde ist noch nicht gekommen.‘“ (Joh. 2, 3b-4)

Gott sei Dank ist der Rausch zu Ende. Aber nach einem Sinneswandel sieht es momentan nicht aus. Wo sind die Rufe der Endzeitpropheten, die fordern: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ In uralten Zeiten hätten die Schamanen und Priester die aktuell grassierende Naturkatastrophe definitiv als erhobene Faust Gottes gedeutet.

Aus gutem Grund: Mit Abstand betrachtet ist das Treiben unserer Spezies grässlich: Mord und Totschlag steckt in nahezu jedem Ding, das von uns geschaffen wurde und die blutenden Wunden unserer Herrschaft überziehen mittlerweile das gesamte Antlitz von Mutter Erde. So grausam die Pandemie auch ist, wir Menschen sind grausamer.

„Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung [...]. Spricht Jesus zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser!“ (2,6a-7a)

Wer sind die Diener unserer Zeit, die die Krüge füllen könnten? Sicherlicht nicht diejenigen, die lauthals nach der guten alten Zeit schreien. Dass Corona keine Lüge ist, beweisen echte Tränen. Allein deswegen wird die Party nicht einfach so weitergehen können.

Wenn das Fest des Lebens nicht abbrechen soll, braucht es etwas Göttliches, das wir noch nicht kennen: Ein Wunder!

„Als der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war [...sagte er zum Bräutigam...]: ,Du hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten?‘“ (Joh. 2,9-10)

Wenn nicht wir, wer sonst sollte daran glauben, dass wir nicht verloren sind.

„Seine Jünger glaubten an ihn.“ (Joh. 2,11b)

Ich will auch! So lass mich Dein Diener sein, Herr Jesus Christus!

Amen.

Andacht von Christian Plitzko

Der Bibeltext

Und am dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. 2 Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. 3 Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. 4 Jesus spricht zu ihr: Was geht's dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. 5 Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. 6 Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße. 7 Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. 8 Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt's dem Speisemeister! Und sie brachten's ihm. 9 Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam - die Diener aber wußten's, die das Wasser geschöpft hatten -, ruft der Speisemeister den Bräutigam 10 und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten. 11 Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

Johannesevangelium 2, 1-11