Der Nikolaus hat auch im Home Office gut zu tun. Bild: Detlef Heese/epd

Home Office auch für den Nikolaus

Tagesthema 03. Dezember 2020

Hubert Weddehage lässt sich von der Pandemie nicht unterkriegen. Seit 50 Jahren sorgt er dafür, dass Kinder, die ihre aufwendig verzierten Briefe und Wunschzettel "An den Nikolaus in 49681 Nikolausdorf" schreiben, eine liebevolle Antwort bekommen. "Und das wird sich ganz sicher auch in diesem Jahr nicht ändern", sagt der 67-Jährige.

Mit 17 Jahren fing Weddehage an, seinen Vater als Nikolausgeselle zu unterstützen. Mitte der 60er Jahre trudelten die ersten Briefe in dem rund 1.100 Einwohner zählenden Dorf in der Gemeinde Garrel im Landkreis Cloppenburg ein. "Die Kinder schrieben einfach so von sich aus, weil unser Ort den Namen des heiligen Nikolaus trägt", sagt Weddehage. Zunächst beantwortete die damalige Poststellenleiterin die Briefe, später, als es mehr wurden, unterstützten die Dorfbewohner, und auch die Deutsche Post stieg ein.

Sie unterstützt bis heute alle Weihnachtspostämter, mit Porto, Briefpapier und zum Teil auch Personal. In Niedersachsen gibt es gleich drei dieser besonderen Postfilialen: Neben Nikolausdorf sind das Himmelpforten bei Stade sowie Himmelsthür, ein Stadtteil von Hildesheim. In den himmlischen Briefkästen liegen jährlich insgesamt rund 90.000 Briefe. Bundesweit sind es noch mehr. Denn auch in Himmelpfort in Brandenburg, im bayrischen Himmelstadt, im saarländischen St. Nikolaus sowie in Engelskirchen in Nordrhein-Westfalen gibt es Weihnachtspostfilialen.

In Nikolausdorf beantworten 20 Ehrenamtliche, Senioren und Oberstufenschüler, die Briefe der Kinder. Sie sitzen diesmal nicht wie sonst üblich gemeinsam in der Kirchengemeinde. "Wir sind im Homeoffice", sagt Weddehage. Rund 6.000 Briefe trudeln in Nikolausdorf jedes Jahr ein. Viele sind schon jetzt angekommen, und es zeichnet sich ab: Die Sorgen der Kinder wegen Corona sind groß. "Viele schreiben, dass alle gesund bleiben sollen und dass es bald einen Impfstoff geben soll", berichtet der zweifache Großvater. "Sie schreiben, dass sie wieder Freunde treffen, ihre Großeltern umarmen, ganz normal zur Schule gehen wollen."

Diese Sehnsucht bestätigt Jens Osterwald. Er koordiniert das Weihnachtspostamt Himmelsthür, das vor vier Jahren in das Briefzentrum Pattensen in der Region Hannover verlegt wurde. Von hier aus beantworten elf Postmitarbeiterinnen vier Wochen lang Zehntausende Briefe. 50.000 waren es im vergangenen Jahr, 1.500 davon kamen aus dem Ausland.

"Corona kommt in vielen Briefen vor", sagt Osterwald. "Lieber Weihnachtsmann, hoffentlich hast Du kein Corona und kannst auch in diesem Jahr kommen", schreibt ein Mädchen. Und auch eine Postkarte aus Taiwan ist dabei. Auf ihr steht: "Mein Wunsch in diesem Jahr ist, dass alle Menschen auf der ganzen Welt gesund bleiben."

Dass die Kinder dem Weihnachtsmann nicht nur ihre materiellen Wünsche malen oder schreiben, sondern auch ihre Sorgen mitteilen, weiß auch Wolfgang Dipper. Als vor ein paar Jahren die Bilder von Eisbären auf geschmolzenem Eis um die Welt gingen, sei es in den Briefen oft um die Angst vor dem Klimawandel gegangen. Dipper leitet das Weihnachtspostamt Himmelpforten seit 17 Jahren. 32.000 bis 35.000 Briefe gehen jedes Jahr ein. Dieses Jahr erhalten die Kinder neben einem Brief, eine Postkarte zum Ausmalen sowie eine Bastelanleitung für einen Goldstern.

Damit sie trotz Corona nicht auf einen Besuch vor Ort verzichten müssen, wurde das Christkind-Postamt in Himmelpforten mit bodentiefen Fenstern ausgestattet. So können die Familien den ehrenamtlichen Helfern durch die Scheiben zuschauen. Gearbeitet wird in zwei Schichten, damit die Abstände in dem festlich geschmückten Büro eingehalten werden können. Und auch der Weihnachtsmann kommt vorbei. Zwar nicht zum Anfassen. Doch er wird am ersten Advent zumindest im Auto eine Runde durch den Ort drehen. Außerdem denken Dipper und seine Kollegen darüber nach, Santa Claus noch schnell eine eigene Telefonnummer zu geben. "Dann könnte die Kinder ihn anrufen", sagt der ehemalige Postbeamte.

Die Briefe sollten Nikolaus, Christkind und Weihnachtsmann bis spätestens zum 19. Dezember vorliegen, damit die Kinder die Antwort rechtzeitig vor dem Fest erhalten. "Und bitte nicht den Absender vergessen", erinnert Osterwald. Das passiere leider immer wieder, gerade wenn Kinder selbstständig schreiben. "Es ist auch für uns sehr schade, wenn wir einen schönen Brief bekommen und ihn dann nicht beantworten können."

Julia Pennigsdorf / epd

Stichwort: Nikolaus

Die Nikolaus-Figur geht auf einen Heiligen aus dem dritten/vierten Jahrhundert nach Christus zurück. Bild: Jens Schulze

Der heilige Nikolaus ist seit Jahrhunderten einer der beliebtesten christlichen Volksheiligen. Er wird wegen seines vorbildlichen Lebens und seiner Wohltätigkeit verehrt. Im dritten und vierten Jahrhundert hat es tatsächlich einen Bischof Nikolaus in Myra gegeben, an der Mittelmeerküste der heutigen Türkei. Er soll an einem 6. Dezember gestorben sein, vermutlich im Jahr 343. Außerdem lebte im sechsten Jahrhundert Abt Nikolaus von Sion im kleinasiatischen Lykien. Beide Lebensgeschichten sind wohl miteinander verschmolzen.

Zahlreiche Legenden ranken sich um den Nikolaus. Man erzählte sich, mit dem großen Vermögen, das ihm seine Eltern hinterlassen hätten, habe er Bedürftige unterstützt und Mädchen vor der Prostitution bewahrt. Nikolaus soll außerdem unschuldig Verurteilte gerettet und eine Hungersnot abgewendet haben. Ein Traum habe die Bischöfe der Provinz bewogen, den angesehenen und beliebten Nikolaus zum Oberhirten der Provinzhauptstadt Myra zu wählen.

Das lässt sich nicht beweisen, es ist aber wahrscheinlich, sagen Historiker. Der Kult um Nikolaus von Myra verbreitete sich spätestens ab dem sechsten Jahrhundert sehr schnell in der ganzen Christenheit. In der Ostkirche hieß er "Retter der Welt" oder "Engel auf Erden".

Um 1500 zählen die Historiker bereits mehr als 2.000 Nikolauskirchen, -Kapellen, -Hospitäler und -Klöster in Europa. Im Mittelalter wurde St. Nikolaus zum Nothelfer für Schüler, Liebende und Heiratswillige. Seefahrern galt er als Patron und Helfer bei Gefahren. Die Russen betrachten ihn als Schutzheiligen.

Aus den Legenden schälte sich das Bild eines ungewöhnlich menschenfreundlichen Kirchenmannes heraus, volksnah und voller Güte, Mut und Zivilcourage. Bildungswerke und Kirchengemeinden rücken darum auch heute den Nikolaus als Symbol für die Güte Gottes in den Vordergrund.

Mit strengen Schreckgestalten wie Knecht Ruprecht, die den Nikolaus traditionell begleiteten, hat das natürlich nichts zu tun: Der moderne Nikolaus ist ein Freund der Kinder. Weil er im Dezember Geschenke bringt, wird er auch häufig mit dem Weihnachtsfest in Verbindung gebracht. Die rot gekleidete Figur des Weihnachtsmanns hat viele Züge des Nikolaus in sich aufgenommen.

epd

Die Adressen der Weihnachtspostämter

- An den Weihnachtsmann, Himmelsthür, 31137 Hildesheim

- An den Weihnachtsmann, Weihnachtspostfiliale, 16798 Himmelpfort

- An den Nikolaus, 49681 Nikolausdorf

- An den Nikolaus, Nikolausplatz, 66351 St. Nikolaus

- An das Christkind, 21709 Himmelpforten

- An das Christkind, 51777 Engelskirchen

- An das Christkind, 97267 Himmelstadt