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Die Zukunftsmelodie des Jeremia

Tagesthema 01. November 2020

Andacht zum 21. Sonntag nach Trinitatis

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Suchet der Stadt Bestesund betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.

Als der Prophet Jeremia seinem Volk das sagt, stecken die gerade im Exil. Fern der Heimat. Fern dem Tempel. Das ist für die Menschen fremd. Ärger, Traurigkeit, Mutlosigkeit werden ganz obenauf gelegen haben.

Gerade da sagt der Prophet seinem Volk: Richtet euch in der Situation ein! Lebt mit den fremden Umständen und integriert sie in eure Wirklichkeit! Es wird der Tag kommen, da wird Gott dem ein Ende setzen. Solange lebt damit!

Die Situation, in der wir gerade leben, ist eine völlig andere. Gerade deshalb stößt mich der Text darauf hin, dass sich die Maßstäbe bei uns, gerade so verschieben. Wichtigkeiten verschieben sich. Und gut ist das nicht alles.
Die Bewertung und Einschätzung der Situation und Maßnahmen sind unterschiedliche. Nicht nur bei Politikern. Nicht nur unter Medizinern. Auch innerhalb der Familien. Menschen, die mir gerade noch furchtbar lieb waren, schätzen die Maßnahmen wegen Corona anders ein als ich und werden mir auf einmal ganz fremd.

Darauf nicht sofort zu reagieren, treibt mich lange um. Ähnlich wie jemand, der mir in der Straßenbahn ohne Mundschutz begegnet, den ich nicht darauf anspreche. Hinterher ärgere ich mich: Hätte ich mal!

Es gebe keinen Beleg für ein erhöhtes Ansteckungsrisiko in Restaurants, dennoch müsse die Gastronomie schließen. Dies treibe die Menschen zu Privattreffen mit einem erhöhten Infektionsrisiko, kritisierte der Celler Oberbürgermeister Jörg Nigge.

Irgendwie unterstellt das doch den Leuten, dass sie alle nicht verstünden, worum es geht. Und sich eben anders verhalten als vernünftig. Hat Herr Nigge Recht?
 
Jeremia singt eine Zukunftsmelodie:
Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR, und will eure Gefangenschaft wenden.

Wenn wir stille sind, können wir sie hören.
 
Amen.

Jakob Kampermann

Der Bibeltext

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Bild: Wiebke Ostermeier/lichtemomente.net

Dies sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem sandte an den Rest der Ältesten, die weggeführt waren, an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte – nachdem der König Jechonja und die Königinmutter mit den Kämmerern und Oberen in Juda und Jerusalem samt den Zimmerleuten und Schmieden aus Jerusalem weggeführt waren –, durch Elasa, den Sohn Schafans, und Gemarja, den Sohn Hilkijas, die Zedekia, der König von Juda, nach Babel sandte zu Nebukadnezar, dem König von Babel:

So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels, zu allen Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen:Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte;

nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehrt euch dort, dass ihr nicht weniger werdet. Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.

Denn so spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Lasst euch durch die Propheten, die bei euch sind, und durch die Wahrsager nicht betrügen, und hört nicht auf die Träume, die sie träumen! Denn sie weissagen euch Lüge in meinem Namen. Ich habe sie nicht gesandt, spricht der HERR.

Denn so spricht der HERR: Wenn für Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe.

Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung. Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören.

Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR, und will eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Völkern und von allen Orten, wohin ich euch verstoßen habe, spricht der HERR, und will euch wieder an diesen Ort bringen, von wo ich euch habe wegführen lassen.

Jeremia 29, 1-14

Der Autor

Jakob Kampermann. Bild: Jens Schulze