Bild: topflip/pixabay.com

Gott zieht mich weiter.

Tagesthema 08. August 2020

Andacht zum 9. Sonntag nach Trinitatis

„Oh mein Gott. Das kann ich nicht.“ Mit großen Augen und zitternden Knien stehe ich in der Schlange. Vor mir wird ein Mensch nach dem anderen auf seinem Wakeboard an einer Leine vom Steg aufs Wasser gezogen. Da ziehen sie ihre Runden. Es sieht leicht aus. „Der nächste Start ist deiner.“, heißt es dann auch schon. Zu einem Widerspruch reicht die Zeit nicht. Ein kurzes Stoßgebet. Ich halte Arme und Körper angespannt, umfasse fest den Griff … und platsch, lande ich im Wasser.

„Oh mein Gott. Das kann ich nicht.“ So ähnlich hat Jeremia damals Gott geantwortet, als der ihm offenbarte, dass er sein Prophet sein soll. Oder vielmehr: dass er schon immer als Prophet auserkoren war. Jeremia widerspricht. Ich bin zu jung, Gott. Ich kann das nicht. Doch Gott lässt keine Widerworte zu. Aber er verspricht ihm: „Hab keine Angst. Ich bin bei dir.“

Das heißt nicht, dass nun ein einfacher Weg vor Jeremia liegt. Er fällt nicht ins Wasser – aber dafür umso heftiger auf die Nase. So sehr, dass er Gott anklagt, warum der das alles zulässt. Aber Jeremia gibt trotz allem nicht auf. Sich nicht. Und Gott nicht.

Wir haben alle unsere Gaben und Talente von Gott bekommen. Und zwar, damit wir was daraus machen. Nicht immer kennen wir sie schon. Manchmal müssen wir sie erst austesten. Manchmal müssen wir dafür allen Mut zusammennehmen. Raus aus der Komfortzone. Etwas riskieren. Nicht immer klappt alles. Zumindest nicht auf Anhieb. Doch: Wenn wir nichts wagen, kann niemand gewinnen. Dann hat niemand was von unseren Gaben und Talenten. Auch wir nicht.

Nachdem es auch beim zehnten Versuch nicht geklappt hat mit dem Wakeboard, stehe ich am nächsten Tag auf Wasserskiern. Soll einfacher sein. Also nur Mut, denke ich mir. Nach dem achten Anlauf habe ich eine ganze Runde geschafft. Mehr im Knien als im Stehen. Aber immerhin.

Manchmal komme ich auch im Leben nur gerade so über die Runden, trotz aller Gaben und Talente. Manchmal muss ich nachjustieren, manchmal neu starten. Manchmal verlässt mich der Mut.

Aber trotz allem ist Gott meine Leine, an der ich mich über Wasser halte und mit der mir auch die großen Aufgaben gelingen können, die Gott mir zutraut. Und selbst, wenn ich falle – Gott zieht mich weiter. Ich schaff das schon – denn ich muss es nicht allein schaffen.

Sandra Golenia

Der Bibeltext

Und des Herrn Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.

Ich aber sprach: Ach, Herr Herr, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.

Der Herr sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr.

Und der Herr streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Jeremia 1, 4-10