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Leistungen sind unbedeutend

Tagesthema 09. Februar 2020

Andacht zum Sonntag Septuagesimä

Eigentlich ist das ganz einfach: Wir würden einen Stundenlohn festlegen, jeder Arbeiter im Weinberg füllt seinen Stundenzettel aus und wird danach dann bezahlt. Für einen ganzen Tag gibt es einen Silbergroschen, für einen halben Tag einen halben und so weiter.

Aber der Besitzer des Weinbergs in unserem Gleichnis macht das anders. Jeder, egal wie lange er gearbeitet hat, bekommt genau den gleichen Lohn. Deshalb sind die Arbeiter, die den ganzen Tag geschuftet haben, zu Recht verärgert. Wer könnte das nicht verstehen?

Jedenfalls wenn es um den Lohn für unsere Arbeit geht, da lassen wir auch nicht mit uns spaßen. Auch wenn es um die Gesamtbilanz unseres Lebens geht. "Ich weiß, dafür werde ich in der Hölle schmoren" sagte mir ein älterer Herr, der aus der Kirche ausgetreten ist. Tief in uns drin sitzt dann eben doch jemand, der rechnet und der fragt: Hab ich genug gemacht? Wie stehe ich da? 

Der Besitzer des Weinbergs rechnet offensichtlich anders als wir. Oder gar nicht. Jesus lässt ihn sagen: "Habe ich nicht Macht zu tun, was ich will?" Ich glaube, Jesus macht es wie der Weinbergbesitzer, er rechnet gar nicht. Ich könnte auch salopp sagen: Er lässt Fünfe gerade sein. Alle, die zu ihm kommen, sind bei ihm gleich viel wert.

Wie? Jesus rechnet nicht mit uns ab? Nein, er liebt! Er ist barmherzig und lässt den Weinbergbesitzer zu den meckernden Arbeitern sagen: "Siehst du darum scheel, weil ich so gütig bin?" Wir würden sagen: "Bist du sauer, weil ich so großzügig bin?"

Wie leistungsfähig bist du? Welche Noten hast du? Bist du bereit, hart zu arbeiten? Diese Fragen können uns im Leben ganz schön zusetzen. Aber an der wichtigsten Stelle, wenn es um das ewige Leben geht, um das Dabeisein im Reich Gottes, da - so unser Gleichnis - sind unsere Leistungen unbedeutend. Entscheidend ist am Ende die Güte von Jesus. Von der bekommt jeder die volle Portion. Und je mehr wir ihm vertrauen und das Aufrechnen sein lassen, desto weniger ärgern wir uns über ihn, desto gütiger werden wir selber.

Amen.

Dr. Johannes Neukirch

Der Bibeltext

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Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter anzuwerben für seinen Weinberg. Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg.
Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere auf dem Markt müßig stehen und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin.
Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere stehen und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand angeworben. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg.
Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die elfte Stunde angeworben waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen. Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeder seinen Silbergroschen. Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben.
Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir. Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du darum scheel, weil ich so gütig bin? So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.

Matthäus 20, 1-16

Der Autor

Dr. Johannes Neukirch