Landesbischof Meister sprach unter anderem über Umweltschutz und Antisemitismus
Landesbischof Meister sprach unter anderem über Umweltschutz und Antisemitismus. Bild: Jens Schulze

"Ein klarer Auftrag zum sozialen, ökologischen und ökonomisch gerechten Handeln"

Tagesthema 27. November 2019

Landesbischof Ralf Meister hat in seinem Bericht vor der Landessynode die menschliche Verantwortung vor der Schöpfung Gottes betont. In der gesellschaftlichen Diskussion um die nötigen Veränderungen im Lebenswandel brächten die Kirchen geistliche Ressourcen ein. Die "göttliche Präsenz in der ganzen Schöpfung" sei der Bezugsrahmen unseres Verhältnisses zur Welt. Deshalb sei die Schöpfungsverantwortung für Christinnen und Christen eine politische Agenda: "Aus der Gottebenbildlichkeit des Menschen ergibt sich ein klarer Auftrag zum sozialen, ökologischen und auch ökonomisch gerechten Handeln." 

Meister benannte eine Reihe von Klimaschutz-Maßnahmen, die die Landeskirche ergriffen hat: "Angefangen von der ökofairen Beschaffung bis zur E-Mobilität, von der Reduktion des Gebäudebestandes und seiner energetischen Sanierung bis zu den Initiativen bei Freiflächen in unseren Kirchengemeinden, bei Friedhöfen und Pfarrgärten". Es gebe unbegrenzte Möglichkeiten, kleine und große Schritte zu gehen. Dabei habe die Synode eine besondere Chance, "weil sie durch Beschlussfassung Bewegungen verursachen kann, die Einzelnen nicht möglich sind."

Meister sprach auch über den antisemitischen Anschlag in Halle. Er bedankte sich für die zahlreichen Initiativen, mit denen sich Kirchenkreise und Kirchengemeinden etwa mit Mahnwachen und Friedensgebeten auf den Hass reagiert hatten. "Der Antisemitismus hat viele Gesichter“, sagte Meister. "Gewalttätige Übergriffe auf Jüdinnen und Juden, Schändung jüdischer Gräber, die Leugnung und Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen gehören ebenso dazu wie Verschwörungstheorien und Hasspropaganda gegen den Staat Israel. Zunehmend, so scheint mir, ist eine Form des Antisemitismus, die sich als Antizionismus versteht." Unverbrüchlich gelte aber:  "Der christliche Glaube schließt jede Form von Judenfeindschaft aus."

Der Landesbischof begrüßte die Einführung des Faches Werte und Normen in allen Grundschulen Niedersachsens. Der Ausbau des Faches dürfe aber nicht zulasten des Religionsunterrichtes gehen. Meister sicherte Dialog und Zusammenarbeit der Lehrkräfte für Religion und für Werte und Normen zu. In den Schulen gebe es in Niedersachsen seit 1998 die Möglichkeit des konfessionell-kooperativen Unterrichts. Ob dieses Modell aufgrund der zunehmenden religiösen Heterogenität der Schülerschaft noch angemessen sei, werde derzeit diskutiert, so Meister. Der Landesbischof zitierte aktuelle Studien und wies darauf hin, "welche Herausforderungen für die christliche Prägung von jungen Menschen vor uns liegen".

Im Rat der Konföderation der Evangelischen Kirchen in Niedersachsen habe sich eine ehrliche und gute Zusammenarbeit entwickelt, sagte Meister. Die zugewiesenen Aufgaben aus dem Konföderationsvertrag im Gegenüber zum Land Niederachsen ließen sich öffentlich und gemeinschaftlich gut erfüllen. Meister bat die Landessynode, eine Fortsetzung des Konföderationsvertrages für weitere fünf Jahre zu beschließen. Bis 2023 bereitet der Rat der Konföderation die Entfristung des Vertrages, die Vereinheitlichung des Rechtsetzungsverfahrens, Bestimmungen über die gemeinsamen Einrichtungen der Konföderation sowie eine stärkere Beteiligung der Synoden an der Arbeit der Konföderation vor.

Das Jahr 2019 stand in der gesamten Landeskirche unter der Überschrift „Freiräume“ und sollte als Raum für Erfahrungen, Reflexion und Regeneration dienen. Meister berichtete, dass es eine gewisse Zeit gebraucht habe, bis der Impuls in der Weite der Landeskirche angekommen war. Die Steuerungsgruppe werde sich im Februar 2020 Zeit für ein Resümee nehmen - eine Evaluation sei aber nicht geplant. Denn das Experiment gehe auch über 2019 hinaus weiter. Meister resümierte, das Thema „Freiräume“ habe zeitweise wie ein Katalysator für notwendige Transformationsprozesse und Innovationen gewirkt. 

Eine ausführliche Passage seines Berichts widmete Meister dem Schiff, das die EKD zur Seenotrettung in die Gewässer des Mittelmeers schicken will (#wirschickeneinschiff), um Schutzsuchende zu retten. Der Rat der EKD hatte auf seiner jüngsten Sitzung beschlossen, einen Verein zu gründen, in dem Kirchen, Institutionen und Engagierte gemeinsam schnellstmöglich ein weiteres Schiff in den Rettungseinsatz bringen wollen. Die Landeskirche Hannovers sollte sich an diesem Projekt beteiligen, sagte Meister. Bereits beim Eröffnungsgottesdienst der Landessynode wurde für diesen Zweck gesammelt. Wahlkollekten oder Sammlungen im privaten Kreis sollten dies ergänzen.

Bild: Jens Schulze

Meister wies darauf hin, dass die Landeskirche Hannovers in den vergangenen Jahren bereits rund 25 Millionen Euro für die Aufnahme von Flüchtlingen und die Fluchtursachenbekämpfung in Syrien, Südafrika und Äthiopien sowie Bildungsangebote, Sprachkurse und die soziokulturelle Integration eingesetzt habe. Das Bündnis "Niedersachsen packt an" sei ein Beispiel hierfür. "Die Kirchen haben nicht nur ein umfangreiches praktisches Hilfsangebot mit aufgebaut und unterstützt, in Gemeinden, Kirchenkreisen oder in der Partnerschaftsarbeit, sie waren auch eine kritische Stimme bei der ungeregelten, europäischen Aufnahmepolitik. Ich wünsche mir, dass dieses Engagement gesehen wird", so Meister.

In Reaktion auf den Bericht sprachen mehrere Synodenmitglieder ihren Dank aus und unterstrichen insbesondere die Bedeutung der Themen Klimaschutz und Antisemitismus. Sie sprachen auch über persönlichen Erfahrungen und fragten, welche Maßnahmen die Kirche noch unternehmen könnte. Die Synode beschloss, dass die Themen des Bischofsberichtes von der 26. Synode weiter beraten werden sollen.

Christine Warnecke

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