„Licht im Kirchenraum“ in der Matthäuskirche Hannover. Foto: Schulze/HkD

Ziel: Gute Gottesdienste

Tagesthema 19. Februar 2019

16 neue Beraterinnen und Berater für die Gemeinden

Gottesdienst ist nicht gleich Gottesdienst: Manche sind besonders kreativ, manche musikalisch anspruchsvoll oder emotional bewegend. Damit möglichst viele Gemeinden ihre Ideen umsetzen und besondere Gottesdienste feiern können, gibt es seit einigen Jahren Gottesdienstberaterinnen und Berater. Pastorinnen und Pastoren und professionelle Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker besuchen Kirchengemeinden und beraten Haupt- und Ehrenamtliche zur Gestaltung von Kirche und Gottesdienst. 16 dieser Beraterinnen und Berater haben gerade im Evangelischen Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik Michaeliskloster in Hildesheim ihre Ausbildung abgeschlossen.

Das war eine spannende Erfahrung", findet Oliver Friedrich, Pastor in Loccum.Besonders der Besuch einer Gemeinde in Berlin im Rahmen der Weiterbildung habe ihn beeindruckt. „Ich habe viel Inspiration mitgenommen", bestätigt auch Michael Merkel, Kirchenmusiker und ebenfalls aus Loccum.

Im Michaeliskloster in Hildesheim werden seit 2010 Beraterinnen und Berater der Landeskirche Hannover ausgebildet. Den aktuellen Kurs haben Pastorin Christine Tergau-Harms und Landeskirchenmusikdirektor Hans-Joachim Rolf geleitet. Die Doppelleitung ergibt sich aus einem Novum: Die aktuelle Ausbildung zur GottesdienstberaterIn war die erste, die paritätisch von je acht Kirchenmusikerinnen und Musikern und Pastorinnen und Pastoren belegt wurde. Bisher habe es solche Kurse nur für Theologinnen und Theologen gegeben, sagt Hans-Joachim Rolf.Diese Erweiterung des Spektrums hin zur Musik sei neu und einzigartig in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

„Wir haben damit angefangen, weil es in den Gemeinden immer wieder nachgefragt wurde", berichtet Christine Tergau-Harms. Besonders neue Kirchenvorstände hätten immer wieder Fragen zu Gottesdiensten gehabt: Dürfen Kinder am Abendmahl teilnehmen? Welche Musik darf bei Beerdigungen gespielt werden? Dürfen Haustiere gesegnet werden? Auch bei der räumlichen Gestaltung von Kirchen gebe es oft Beratungsbedarf. 

Von Hildesheim aus fuhren die ersten Beraterinnen und Berater zu den Gemeinden und entwickelten gemeinsam mit Pastorinnen und Pastoren, Musikerinnen und Musikern und Kirchenvorständen Konzepte für Gottesdienste. Wegen der großen Nachfrage begann schließlich die Ausbildung von weiteren Beraterinnen und Beratern für die einzelnen Regionen der Landeskirche. Drei Weiterbildungskurse haben bereits stattgefunden.

Wir haben in dem Kurs viele interessante Gottesdienste erlebt und auch in den eigenen Gemeinden experimentiert", berichtet Elisabeth Tobaben von der Inselkirchengemeinde Juist. „Der Blick über den eigenen Tellerrand war spannend", ergänzt der Kirchenmusiker Stephan Reiß, ebenfalls von der Insel Juist. „Ich habe gesehen, dass man Dinge auch mal ganz anders machen kann und dass es trotzdem sehr gut ist." 

Die 16 neuen Beraterinnen und Berater gehören damit zu einem großen Team, das in allen Sprengeln der Landeskirche vertreten ist. Über eineinhalb Jahre haben sie sich dafür regelmäßig in Hildesheim getroffen und Themen wie „Gebet und Musik", „Taufe und Abendmahl" und „Sendung und Segen" bearbeitet. Zu dem Langzeitkurs gehörte außerdem das Trainieren von Beratungssituationen und der gegenseitige Besuch in den Gemeinden. „Das bietet eine gute Möglichkeit zur Reflexion", beschreibt Oliver Friedrich, Teilnehmer des Kurses und Pastor in Loccum. „Ich habe daraufhin viel mit Gottesdiensten experimentiert und andere Orte oder Uhrzeiten ausprobiert."

Um einen Platz in dem Kurs zu ergattern, mussten sich die Interessierten mit einem Motivationsschreiben bewerben und ein Auswahlgespräch bestehen. „Wir machen ein ausführliches Casting und schauen, welche Personen wirklich für die Weiterbildung geeignet sind", erklärt Jochen Arnold, Direktor des Michaelisklosters. Die Gottesdienstberatung sei Teil einer Qualitätsoffensive der Evangelischen Kirche. „Wir möchten gute, schöne und relevante Gottesdienste feiern." 

Nach ihrer Einführung als Beraterinnen und Berater können sie jeweils als Tandems Gemeinden besuchen. Diese gemischten Teams sollen auch noch eine weitere Botschaft vermitteln, berichtet Arnold. „Wir wollen weg von der Pastorenkirche und das Zusammenspiel der unterschiedlichen Gaben besser fördern." Darum sollten die BeraterInnen vor allem auch Ideen und Potenziale aus der Gemeinde aufgreifen. „Zuhören ist besonders wichtig."

Julia Dittrich

Und wie war's?

Ansgar Müller-Nanninga
Ansgar Müller-Nanninga

Unter den Absolventen ist auch Ansgar Müller-Nanninga aus Bremen. Er war Landeskirchenmusikdirektor und ist inzwischen im Ruhestand. „Ich bin sehr dankbar, dass ich auf diese Weise meine Kompetenzen weiter einbringen kann", erklärt er. Durch den Kurs sei er noch einmal für die Abläufe im Gottesdienst sensibilisiert worden. „Die Verkündigung in Musik und Wort sollte immer im Mittelpunkt stehen." 

Andreas Schley (links) und Volker Nagel-Geißler. Foto: Dittrich
Andreas Schley (links) und Volker Nagel-Geißler. Foto: Dittrich

„Ich habe gelernt, was alles in einem Gottesdienst möglich ist", berichtet Andreas Schley (links), Popularkirchenmusiker aus Verden. Volker Nagel-Geißler, Kirchenmusiker aus Bremerhaven hat vor allem die Gleichberechtigung von Wort und Musik in dem Kurs beeindruckt. „Das erlebt man nicht überall."

Ursula Schmidt-Lensch aus Diepholz, Andreas Opp aus Melle und Michaela Jannasch aus Bad Laer sind drei der 16 TeilnehmerInnen der Weiterbildung Gottesdienstberatung. Foto: Dittrich

„Aus dem Kurs habe ich viele Ideen mitgenommen", berichtet Ursula Schmidt-Lensch, Pastorin aus Diepholz. Auch die gemeinsame Arbeit mit professionellen KirchenmusikerInnen habe sie begeistert. „Die Zusammenarbeit der Berufsgruppen hat wirklich sehr gut geklappt", bestätigt Andreas Opp, Kantor aus Melle. Ebenfalls dabei: Michaela Jannasch aus Bad Laer.

Stephan Reiß und Elisabeth Tobaben
Stephan Reiß und Elisabeth Tobaben

„Wir haben in dem Kurs viele interessante Gottesdienste erlebt und auch in den eigenen Gemeinden experimentiert", berichtet Elisabeth Tobaben von der Inselkirchengemeinde Juist. „Der Blick über den eigenen Tellerrand war spannend", ergänzt der Kirchenmusiker Stephan Reiß, ebenfalls von der Insel Juist. „Ich habe gesehen, dass man Dinge auch mal ganz anders machen kann und dass es trotzdem sehr gut ist."