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15 Minuten mehr Pflege für die Seele

Tagesthema 28. Dezember 2018

"zuGabe" - der Freiraum der Diakonie Südheide

15 Minuten extra können viel sein, wenn es sonst immer schnell gehen muss. Mit dem Spendenprojekt „zuGabe“ verschafft die Diakonie Südheide in Celle ihren Patienten und Pflegekräften eine Viertelstunde Freiraum pro Woche.

Nochmal in die Kamera gucken, lächeln. Rudy Guse hat Spaß am Modeln. Jetzt zieht Pflegerin Petra Zahn ihm die Kompressionsstrümpfe an, beide blicken Richtung Kamera – Klick. Rudy Guse ist eines der Gesichter für einen ganz besonderen Freiraum. Seit März 2016 gibt es bei der Diakonie Südheide die Aktion „ZuGabe“. Spenden machen es möglich, dass Patienten und Pflegekräfte einmal in der Woche eine Viertelstunde Zeit haben, die nicht von der Pflegeversicherung vorgesehen ist. Guse hat dafür mit seinem Lächeln schon überlebensgroß an der Celler Stadtkirche geworben.

„Da kann man sich auch was erzählen"

Zwei Schlaganfälle hat der ehemalige Elektriker der Bundespost überstanden, die Augen wollen nicht mehr so richtig, er sitzt im Rollstuhl. Pflegerin Petra Zahn oder eine Kollegin helfen seit drei Jahren beim Duschen, Waschen und der Insulinspritze. Am Anfang gab es die „zuGabe“ noch nicht. Und diese Viertelstunde zusätzlich sei tatsächlich ein Unterschied, sagt der 82-Jährige: „Da kann man sich gegenseitig auch was erzählen.“ Und seine Frau Christa ergänzt: „Die Pflegerinnen haben uns nie das Gefühl gegeben, dass sie eigentlich keine Zeit haben, aber nun können sie auch auf ein Gespräch bei einer Tasse Kaffee bleiben – und das ist schön.“

Petra Zahn pflegt seit 36 Jahren Menschen. „Diese Viertelstunde zuGabe in der Woche, die ist kurz – aber sie ist sehr wichtig“, sagt die 54-Jährige. Viele der Patienten seien allein. „Wir reden über Gott und die Welt – wir hören aber auch, was die Leute belastet.“ Die rund 90 Kolleginnen und Kollegen würden es genießen, sich den Patienten so zuwenden zu können. Aber auch die 15 Minuten sind im Dienstplan berücksichtigt, sagt Zahn: „Wir müssen schon aufpassen, dass wir uns nicht verquatschen.“

„Da kann man sich auch was erzählen"

Guses haben Glück beim Thema Gesprächspartner. Ein Sohn und die Schwiegertochter leben im selben Haus. Das alte Ehepaar, das seit 57 Jahren verheiratet ist, freut sich über sechs Enkelkinder – und das erste Urenkelkind ist unterwegs. Christa Guse weiß übrigens genau, was die professionelle Hilfe der Diakonie Südheide bedeutet. Guse: „Ich habe meine Eltern und meine Schwiegermutter bis zu ihrem Tode gepflegt.“

Dirk Altwig

Zeit für Freiräume 2019

2019 wird es in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers "Zeit für Freiräume" geben: ein Jahr für Aufbrüche und Fragen, für Unterbrechungen, Besinnung und vielleicht auch für Neubeginn. Die Welt verändert sich rasant, was bedeutet das für uns persönlich und für die kirchliche Arbeit? Was wollen wir tun? Was wollen wir lassen oder verändern? Was gibt uns Kraft, und wo finden wir Hoffnung? Wir nehmen uns Zeit und denken über "Freiräume" nach. Um des Menschen willen.

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"zuGabe" - das Projekt der Diakonie Südheide

2015 ist die Idee für „zuGabe“ entstanden. Maik Mengel, Geschäftsführer der Diakonie Südheide gGmbH, erzählt: „Wir haben uns gefragt, wie wir unserem diakonischen Profil gerecht werden können. Da stellte sich schnell heraus, dass wir mehr Zeit für Menschen benötigen.“ Der Kostendruck sei hoch. Aber Mengel betont: „Es geht auch um Pflege für die Seele, da wollen wir ein Signal setzen.“

Rund 400 Patienten betreuen die Celler, jeder, der möchte, bekommt einmal in der Woche eine Viertelstunde extra Zuwendung. Seit Mitte 2016 seien schon über 6100 „zuGaben“ gesammelt worden. Mengel:  „91.500 Minuten Zeit für Gespräche.“ Firmen und Privatleute haben gespendet, etwa nach Geburtstagen und Jubiläen. „Schon fünf Euro schenken einmalig eine „zuGabe“, sagt Mengel. 

„Diese Zeit für die zu Betreuenden ist sonst in der ambulanten Pflege nicht vorhanden.“ Auch für die Familien der Patienten sei das Projekt wichtig. Häufig lebten die Kinder weit entfernt von den Eltern. „Es ist entlastend für die Angehörigen, wenn sie wissen, dass ihre Verwandten auch noch andere Ansprechpartner haben.“

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