"... weil der Mann im Anzug sehr gut gelesen hat"

Tagesthema 19. November 2018

Der Bischof, Sophiechen und die Riesen - Ralf Meister zu Gast bei Grundschülern in der Jacobi-Bücherei in Hannover

Die Stimme des Vorlesers ist warm und lebhaft. Gut, er habe vorher auch geübt, sagt Landesbischof Ralf Meister, denn es sei lange her, seit er Kindern vorgelesen habe, seine eigenen seien mittlerweile groß. Doch die Kinder, die heute bunt besockt auf orientalischen Sitzkissen in der evangelischen Jakobi-Bücherei hocken, hören ihm gebannt und staunend zu. Der Bischof liest ihnen aus dem Kinderbuch "Sophiechen und der Riese" von Roald Dahl vor.

Die Schüler einer dritten Klasse der Grundschule Wasserkampstraße, acht oder neun Jahre alt, sind 24 von über einer halben Million Kindern in ganz Deutschland, für die Erwachsene sich am "Vorlesetag" Zeit genommen haben, ihnen eine Geschichte vorzulesen. Die Stiftung Lesen und die Wochenzeitung "Die Zeit" hatten den Tag vor 14 Jahren ausgerufen. Mittlerweile unterstützen die Initiative Partner wie die Deutsche Bahn Stiftung, und zahlreiche Prominente machen mit: Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) ebenso wie die Journalistin Anne Will, die Modedesignerin Jette Joop, der Schauspieler Wanja Mues oder der Sänger Rolf Zuckowski.

Bücherei als regelmäßiger Anlaufpunkt für Grundschulkinder

Oder wie Landesbischof Meister, der auch dem Evangelischen Literaturportal vorsteht, dem Dachverband der evangelischen öffentlichen Büchereien. Dazu gehört auch die Jakobi-Bücherei im hannoverschen Stadtteil Kirchrode. Mit rund zwei Dritteln ihrer 5.500 Bücher, Hörbücher oder DVDs richtet sie sich eigens an Kinder und Jugendliche.

Die Schüler der Klasse 3e besuchten sie laut Klassenlehrerin Kerstin Wunnenberg häufig: "Alle vier Wochen suchen wir uns hier Bücher aus". Doch die jetzige Aktion dürfte den Kindern ziemlich neu vorkommen. Denn der Landesbischof liest für sie so vor, als hätte er Zeit seines Lebens nichts anderes gemacht.

Meister lebt die Geschichte: Er bewegt dabei seine Hände, macht laute Pustegeräusche, zieht an seinen Ohren, um die großen Ohren des Riesen im Buch zu veranschaulichen. Und er imitiert die Stimme der kleinen Protagonistin Sophiechen, die zusammen mit dem guten Riesen gegen die bösen Riesen kämpft. Die Kinder belohnen ihn mit ungeteilter Aufmerksamkeit.

"Erfahrung an Kinder weitergeben"

"Meine Mutter hat mir und meinen Geschwistern die Märchen der Gebrüder Grimm vorgelesen", sagt Meister. "Das habe ich sehr gemocht und dadurch früh das Lesen selbst gelernt." Nun möchte er die Erfahrung an andere Kinder weitergeben.

Das kommt anscheinend an. Der achtjährige Felix hat sich über die Lesung gefreut. "Ich habe zwei kleine Brüder, und meine Eltern lesen ihnen vor, mir jetzt nicht mehr so oft", sagt er. Rieke würde das Buch gerne zu Ende lesen, aber "doch lieber alleine". Und Johann fand die Geschichte "witzig, vor allem wegen der lustigen Wortverdrehungen". Aber auch, "weil der Mann im Anzug sehr gut gelesen hat".

Cristina Marina/epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

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