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Sorgentelefon gegen Zeugnisangst

Tagesthema 27. Juni 2018

Sorgentelefone bekommen wieder mehr Anrufe wegen Zeugnisangst

Bei den Sorgentelefonen für Kinder und Jugendliche nehmen aktuell die Anrufe wegen Zeugnisangst und Leistungsdruck wieder zu. Viele der jungen Anruferinnen und Anrufer berichteten, sie hätten Angst mit dem Zeugnis nach Hause zu gehen, weil ihre Eltern noch nichts von ihren schlechten Zensuren wüssten, teilte der niedersächsische Kinderschutzbund am Donnerstag in Hannover mit. In Niedersachsen werden heute die Schulzeugnisse ausgegeben.

Manche Schülerinnen und Schüler wüssten schon jetzt, dass ihnen wegen schlechter Noten Ärger mit den Eltern und manchmal sogar Gewalt drohe, sagte Petra Lorenz, Koordinatorin des Kinder- und Jugendtelefons in Hannover. Die Sorge vor der Reaktion der Eltern mache Kindern häufig viel mehr Druck als das Zeugnis selbst. Manche trauten sich aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht, zu Hause von ihren Problemen in der Schule zu erzählen.

"Bevor es Vorwürfe hagelt, lieber erst einmal tief durchatmen!"

Eltern sollten deshalb jetzt besonders aufmerksam sein, rät Lorenz - vor allem dann, wenn die Jugendlichen bedrückt wirkten oder auffallend still seien. Das Wichtigste sei, im Gespräch zu bleiben. Enttäuschung oder Groll über Schulprobleme sollten nicht den Blick auf die Tochter oder den Sohn verstellen: "Bevor es Vorwürfe hagelt, lieber erst einmal tief durchatmen!" 

Unter der europaweiten Nummer 116111 sind die ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater den Angaben zufolge von Montag bis Sonnabend zwischen 14 und 20 Uhr zu erreichen - anonym und ohne dass die Nummer auf der heimischen Telefonrechnung zu sehen ist. Auf der Webseite www.nummergegenkummer.de können Kinder und Jugendliche auch im Internet mit dem speziell geschulten Beraterteam Kontakt aufnehmen.

epd

Im Interview

Petra Lorenz vom Kinderschutzzentrum in Hannover ist Koordinatorin für das Kinder- & Jugendtelefon. Im Interview mit dem Evangelischen Kirchenfunk erzählt sie von Zeugnissen und der Angst.

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