4. Welche Zukunft haben die kirchlichen Friedhöfe?

Nachricht 31. Mai 2018

Jeder Friedhof ist eine eindrückliche Erinnerung an die eigene Vergänglichkeit.
Es muss einen nicht immer so unmittelbar treffen wie mich bei meinem Besuch auf einem Friedhof am Tempelhofer Feld in Berlin vor einigen Jahren, wo sich am Ende abgeräumte Grabsteine meterhoch aufstapelten. Der erste Schriftzug, den ich sah, trug eingemeißelt meinen Namen „MEISTER“. Friedhöfe sind Räume der großen Relativierung.

Aller Stolz und Ehrgeiz, aller Dünkel und alle Eitelkeit bleiben draußen, wenn wir diese Orte der Ewigkeit aufsuchen. Nirgends wird unsere leidenschaftliche Liebe für das Diesseits herber enttäuscht als auf dem Friedhof. Tausendfach umgeben von denen, die vor uns in diesem Leben zu Hause waren; tausendfach umgeben flüstern wir: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden.“

Der französische Philosoph Michel Foucault hat Friedhöfe einmal die „anderen
Orte“ genannt; der Friedhof ein Heterotopos, ein anderer Ort (M. Foucault,
Die Heterotopien, Frankfurt 2005, S.13). Ein Ort, an dem die Gesetze von
Raum und Zeit nicht mehr gelten. Die Zeit fließt nicht mehr, der Raum verliert
seine Bedeutung. Es mag sein, dass im Wahn menschlicher Hybris und technokratischen Wahnsinns die Bedeutung der Friedhöfe verfällt.

Hunderte Friedhöfe sind in kirchlicher Trägerschaft und erinnern, mahnen
und lassen uns zugleich gewiss sein: Es gibt ein Leben nach diesem Leben, in
der Auferstehung, in der Christus uns vorangegangen ist. Zugleich müssen
Friedhöfe, da die Sargbestattung weniger wir d, mit neuen Freiflächen umgehen.

Bestattungswälder haben längst die Zustimmung der Kirche bekommen,
Seebestattungen haben eine lange Tradition. Sorgen wir dafür, dass die
Freiflächen auch als ökologische Nischen gestaltet wer den. Kooperation mit
NABU und BUND werden teilweise schon realisiert.

Und nutzen wir die Orte öffentlicher. Inzwischen gibt es viele Gottesdienste
zu Ostern auf dem Friedhof – ja, da gehören sie hin. Aber auch zu Weihnachten am frühen Nachmittag in der Erinnerung an die „selig Befreiten“ (Albrecht Goes), die uns vorausgegangen sind. Sorgen wir für den Inhalt an
diesen Orten. Andere tun es längst nicht mehr.

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