Bild: Jens Schulze

Der Zweifel gehört zum Glauben

Tagesthema 13. Januar 2018

Andacht zum 2. Sonntag nach Epiphanias

Diskussionen mit B. verlaufen immer ähnlich. Jedenfalls wenn es um den Glauben an Gott geht.

Am Weihnachtstag war es wieder so weit. Wir sitzen nach dem Essen beisammen, es gibt Kaffee, wir reden über alles Mögliche, die Stimmung ist gelockert. Da aber Weihnachten an keinem Menschen spurlos vorübergeht und die Lieder noch im Raum stehen und die Kerzen flackern, kommen wir nach einer Weile dann eben doch auf den Grund des Ganzen zu sprechen. 

B. ist zweifellos ein kluger Mensch, studiert, belesen, sehr interessiert. Auch im Ruhestand liest er noch naturwissenschaftliche Bücher, vor allem über theoretische Physik. Er hat auch schon theologische Bücher gelesen, aber das ist einige Jahrzehnte her. Die Fragen aber hat er sich bewahrt. Wie kann man nur an Gott glauben, der doch nicht beweisbar ist, der sich nicht zeigt, der nicht offensichtlich handelt und wirkt? Es ärgert ihn geradezu dass es in seiner eigenen Familie Menschen gibt, die auch nicht blöd und trotzdem gläubig sind. Als ich sage, dass der Zweifel zum Glauben gehört, findet er das zwar interessant, aber auch nicht überzeugend. Als ich sage, dass es ja nicht wenige Naturwissenschaftler gibt, die ihre Wissenschaft und den christlichen Glauben miteinander vereinbaren können, hilft das auch nicht weiter. 

Wir reden, wir argumentieren, wir versuchen, die Grenzen zu erfassen. Wir kommen aber nicht weiter. Dabei gibt es in der Bibel so wunderbare Geschichten von Jesus und sie lassen sich so schön erzählen. Wenn es aber darum geht, wann, wo und wie das alles in unseren Köpfen und Herzen wirkt, dann müssen wir doch auf Paulus hören. Er schreibt, dass er „nicht mit überredenden Worten der Weisheit“ reden wollte, „sondern im Erweis des Geistes und der Kraft“. 

Paulus kann den Glauben auch nicht erklären und niemanden mit Worten überzeugen. Er steht mit seiner Person, seinen Erfahrungen, seiner Hingabe, seiner Liebe für den Glauben ein. Er sagt, dass der Glaube ganz klein anfängt, weil er nur Christus, den Gekreuzigten, kennt. Er sagt, dass er „in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern“ predigt und nicht „in hohen Worten und hoher Weisheit“. Und gerade auf diese Weise hat er das Geheimnis Gottes kennen gelernt, und nur so hat sich Gottes Kraft in seinem Herzen entzündet. Und wo bleibt die Klugheit und Weisheit und die Wissenschaft? Keine Sorge, sie sind nicht verloren gegangen, aber sie sind anders als die Weisheiten der Welt: „Uns aber hat es Gott offenbart durch den Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen Gottes.“

Pastor Dr. Johannes Neukirch

Der Bibeltext

Auch ich, meine Brüder und Schwestern, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu predigen. Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn, den Gekreuzigten. Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern im Erweis des Geistes und der Kraft auf dass euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.

Von Weisheit reden wir aber unter den Vollkommenen; doch nicht von einer Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen. Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Sondern wir reden, wie geschrieben steht (Jesaja 64,3): »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.« Uns aber hat es Gott offenbart durch den Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen Gottes.

1. Korinther 2,1-10