Zuhören - und helfen

Tagesthema 15. Dezember 2017

Notruf Mirjam aus Hannover bietet als Krisentelefon rund um die Uhr Beratung und ein offenes Ohr

v.l. Christine Gäbel, Martina Gilica und Judith Rohde

Mit einem großen Spendentag endet heute die NDR-Aktion "Hand in Hand für Norddeutschland". Kinder und Familien in Not stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Benefizaktion. Partner ist die Diakonie im Norden. Vom 4. bis zum 15. Dezember berichteten die NDR Radioprogramme, das NDR Fernsehen und das Internet-Angebot NDR.de im Rahmen von „Hand in Hand für Norddeutschland" über die vielfältigen Projekte der Diakonie im Norden für benachteiligte Kinder und Familien und riefen zu Spenden auf. Das Geld kommt den Hilfsprojekten zu 100 Prozent zugute. Ein Projekt: "Notruf Mirjam". 

Viel zu erzählen gab es in der Sendung „Plattenkiste“ bei NDR 1 Niedersachsen. Am 12. Dezember zwischen 12 und 13 Uhr unterhielten sich Judith Rohde, Christine Gäbel und Claudia* mit Moderatorin Martina Gilica anlässlich gemeinsamen Benefizaktion von NDR und Diakonie "Hand in Hand für Norddeutschland - Hilfe für Kinder und Familien in Not" über die Arbeit des Notrufs Mirjam in Hannover. 

Koordinatorin Judith Rohde beschreibt die Hilfe, Beratung und Begleitung von Schwangeren durch "Notruf Mirjam". Die Standorte sind in Hannover, Bremen und Göttingen. Eine 24-h-Hotline kann jederzeit angerufen werden. Auch junge Mütter mit ihren Kindern können um Hilfe bitten. Oft haben sie keine Wohnung oder sind von Wohnungsnot bedroht.

Auch Probleme in der Partnerschaft können der Auslöser für einen Anruf sein. Das Zuhören am Telefon ist sehr wichtig, doch auch finanzielle Hilfen werden im Notfall gewährt. Judith Rohde berührt es immer wieder sehr, wenn junge Mütter womöglich mit zwei kleinen Kindern wohnungslos sind und keine Wohnung finden können. Es gibt Frauen, die ihre Schwangerschaft verheimlichen, für sie existiert das Babykörbchen im Friederikenstift. Ohnehin hilft der Notruf Mirjam auch bei der Adoptionsvermittlung. 

Christine Gäbel ist seit acht Jahren als Ehrenamtliche für Notruf Mirjam tätig. Da sie als Alleinerziehende Erfahrung mit der besonderen Lebenslage alleinstehender Elternteile hatte und sich ehrenamtlich einsetzen wollte, als es ihr selbst besser ging, entschied sie sich für dieses Angebot. Nun sitzt sie gern am 24-h-Telefon und berät.

Es gibt Tage, an denen ihr Telefon still steht, aber auch andere Tage, an denen die Anrufer und ihre Geschichten sie noch lange beschäftigen, erzählt sie. Häufig rufen junge Mädchen mitten in der Nacht an, hatten gerade Sex mit dem Freund und wollen nun wissen, wo es die Pille danach gibt und wie sie es vor den Eltern geheim halten können.

Es gibt Frauen, die finanzielle Probleme haben, andere werden geschlagen und sind völlig verängstigt. Auch Männer haben sich schon am Notruf-Telefon gemeldet. Manchmal sind sie unsicher, ob sie die Väter sind, sie wollen sich aber auch nicht aus der Verantwortung befreien und bitten deshalb um Rat. Wieder andere melden sich, weil sie nicht genau wissen, wann sie mit ihrer hochschwangeren Frau zur Klinik starten müssen. 

Hilfe von außen

Claudia gehört selbst zu den Klienten, denen schon geholfen wurde. Sie war schwanger und wusste zwar, dass das Kind von beiden Eltern gewollt war - aber sie machte sich auch Sorgen: kleine Wohnung, wenig Geld. Sie fürchtete die Veränderungen und den nötigen Papierkrieg. Hilfe von außen brauchte sie deshalb unbedingt.

Sie saß in Straßenbahn und sah die Reklame für Notruf Mirjam. Sie erinnert sich an ihren ersten Anruf an einem Wochenende, um über ihre Probleme zu reden. Sie kannte das Angebot und ihr war klar, dass sie nicht die erste Anruferin sein würde. Für sie war alles neu und sehr aufregend. Auch die Anonymität am Telefon war ihr sehr wichtig, denn nach Namen wird nicht gefragt.

Nach dem Gespräch war sie erleichtert, gehört zu haben, wie es weiter geht in ihrem Schwangerschaftskonflikt mit den vielen Befürchtungen, zumal sie auch körperlich eingeschränkt ist. Eigentlich sind die neun Monate der Vorbereitung eine lange Zeit, meinen die meisten Menschen, doch da ist Claudia anderer Meinung: "Schwangerschaft geht schnell rum, war jedenfalls bei mir so", lacht sie.

Inzwischen ist ihr Sohn zwei Jahre alt - aber den Kontakt zu Notruf Mirjam ist noch da. Judith Rohde vermittelte ihr den Kontakt zu einer Familienberatung, die sie bis heute berät. 

Jede Frau, die gern am Notruf-Telefon helfen möchte und sich mit Kindern oder Schwangerschaft auskennt (es werden aber auch Schulungen angeboten), ist gern willkommen. Vor allem im Bereich Göttingen werden noch Ehrenamtliche zur Unterstützung des Notrufs Mirjam gesucht, sagt Judith Rohde, die sich über weitere Helferinnen sehr freuen würde. 

Zur Internetseite von "Notruf Mirjam"

"Hand in Hand für Norddeutschland" gehört für viele Menschen fest zur Adventszeit dazu. Mit "Hand in Hand für Norddeutschland" richten wir den Blick auf Menschen, die nur eine schwache Lobby in unserer Gesellschaft haben, Kinder und Familien. Es freut mich, dass in diesem Jahr diakonische Projekte in Kirchengemeinden und Einrichtungen Partner der Aktion sind. Sie sind ein unverzichtbarer Teil unserer kirchlichen Arbeit und bekommen neben der finanziellen Unterstützung auch Anerkennung für ihre Arbeit. Gerne bin ich auch in diesem Jahr wieder am Spendentelefon und freue mich auf teilweise sehr persönliche Geschichten der Menschen, die mit ihrer Spende Familien und Kinder unterstützen."
 

Landesbischof Ralf Meister

Landesbischof am Spendentelefon

Zahlreiche Prominente engagieren sich für die diesjährige NDR Benefizaktion „Hand in Hand für Norddeutschland“ zugunsten von Kindern und Familien in Not. Am großen Spendentag – Freitag, 15. Dezember – nehmen sie gemeinsam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des NDR telefonisch Spenden entgegen. Den ganzen Tag über sind eigens für die Benefizaktion Hotlines eingerichtet. Alle NDR Radioprogramme, das NDR Fernsehen und NDR.de beteiligen sich an der Aktion und berichten über die Situation hilfsbedürftiger Kinder und Familien in Norddeutschland. Der Erlös der NDR Benefizaktion kommt zu 100 Prozent Hilfsprojekten der Diakonie im Norden zugute – sie ist in diesem Jahr Partner der Aktion. 

Am Spendentelefon dabei: Landesbischof Ralf Meister.

Alle Informationen zum Spendentag

Spenden!

Das Spendenkonto mit der IBAN: DE 63251 205 100 100 100 200 ist bei der Bank für Sozialwirtschaft eingerichtet. Empfänger: Diakonie im Norden.