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Ausklinken aus dem Alltag

Tagesthema 01. Juli 2017

Andacht zum dritten Sonntag nach Trinitatis

„Und nachdem er zu den Menschen gesprochen und zahlreiche Wunder getan hatte, zog sich Jesus zurück und machte Urlaub.“
Ja, zugegeben, so steht es nicht in der Bibel. Genau genommen kommt das Wort Urlaub gar nicht in der Bibel vor. (Übrigens: Die Begriffe Seelsorge, Familie oder Weihnachten auch nicht.) Aber es gibt Anknüpfungspunkte für die Zeit, die für viele Menschen die schönste des Jahres ist: Die Ferienzeit.

Ruhe zum Beispiel. Das Wort steht über 170 Mal in der Bibel. Gleich am Anfang der Bibel wird berichtet, dass Gott am siebten Tag ruhte – der erste Ferientag sozusagen. Von Jesus ist nicht überliefert, dass er selbst Urlaub gemacht hat. Aber es gibt die folgende Passage aus dem Markusevangelium:

„Und die Apostel kamen bei Jesus zusammen und verkündeten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Und er sprach zu ihnen: Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruht ein wenig. Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht Zeit genug zum Essen. Und sie fuhren in einem Boot an eine einsame Stätte für sich allein.“ (Markus 6, 30-32)

Jesus war ein sehr guter Beobachter. Er sah, dass seine Freunde mit ihren Kräften an Grenzen stießen und eine Auszeit brauchten. Das ist ein menschliches Grundbedürfnis. Wir Menschen sind angewiesen auf Ruhepunkte, auf Zeiten, in denen wir uns ganz bewusst aus dem Alltag ausklinken und durchatmen können. Dabei ist es nicht so wichtig, ob wir diese Ruhe auf dem heimischen Balkon oder Garten finden oder an der Nordsee oder auf Teneriffa.

Wichtig finde ich, diese Urlaubstage bewusst zu gestalten mit Dingen, für die sonst keine Zeit bleibt: Für die einen ist es das Wandern durch die Natur, für andere der Museums- oder Konzertbesuch. Für wieder andere kann es auch einfach das Nichtstun sein. Oder die lange aufgeschobene Fahrradtour mit der Familie, vielleicht der Besuch bei Freunden, der so oft ausgefallen ist.

In dem kleinen Büchlein „Jesus nimmt frei“ erzählt der Autor Nicholas Allan von der Diskussion zwischen Jesus, der sich einen Tag frei genommen hat, und Gott. Nach einem entspannten freien Tag plagt Jesus das schlechte Gewissen und er fragt Gott, ob denn ein Tag, an dem man vor allem sich selbst etwas Gutes tut, nicht ein verlorener Tag sei. Gottes Antwort: „Nur wenn du selbst froh bist, kannst du auch andere Menschen froh machen."

Auch dieser Satz steht so nicht in der Bibel. Aber Jesus macht deutlich, dass die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten untrennbar verbunden sind mit dem liebevollen und achtsamen Umgang mit mir selbst:

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft. Das andre ist dies: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Markus 12, 29-31)

In diesem Sinn: Gesegnete Ferientage!

Pastor Benjamin Simon-Hinkelmann

Die Andacht bezieht sich in dieser Woche nicht auf den Predigttext.

Der Bibeltext

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft. Das andre ist dies: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

(Markus 12, 29-31)